Kein Applaus für Scheiße

Trotz aller Beteuerungen und vielfach gezündeter Nebelkerzen wurde die Partei der Demokratischen Union (PYD) im Jahre 2003 auf direktem Befehl der eigentlich in der Türkei beheimateten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gegründet. Sie ist damit der organisatorische Wurmfortsatz der separatistischen Terrororganisation. Die Filiale im Norden Syriens wird ferngesteuert aus dem Hauptquartier und hängt wie ihre Mutterpartei ideologisch dem Personenkult um Abdullah Öcalan an. Selbstverständlich ist die PYD, wie die PKK, eine straff organisierte Kaderpartei. Alle wichtigen Funktionen haben loyale Mitglieder inne (1).

Abdullah Öcalan, der selbsternannte Anführer aller Kurden, nicht nur jener die in der Türkei leben, zog sich in der Vergangenheit schon einmal erfolgreich nach Syrien zurück. Nachdem im Juli 1979 in der Türkei eine Verhaftungswelle gegen führende Kader der PKK einsetzte, flohen einige Mitglieder, unter anderem der spätere Vorsitzende Öcalan, in das südliche Nachbarland. Unter dem Schutz des Assad-Regimes lebte er in Damaskus und baute von dort aus die terroristischen Strukturen der Organisation auf.

Als Israel im Jahr 1982 seine Armee in den Libanon schickte, kämpfte die PKK Seite an Seite mit den Palästinensern. Der – wenn auch im Vergleich zu anderen Terrororganisationen relativ geringe – Blutzoll sorgte für eine enorme Aufwertung der zahlenmäßig eher kleinen Truppe. Zu dieser Zeit fand die Ausbildung der Kämpfer in der von Syrien kontrollierten libanesischen Bekaa-Ebene statt. Solange sie noch keine eigene Basis hatten, trainierten die Separatisten gemeinsam mit den ebenfalls in der Gegend stationierten palästinensischen Terroristen. Nicht weit entfernt drillte die Hizbollah ihre Mitglieder. Darüber hinaus ist die Ebene seit Jahrhunderten als Anbaugebiet für gutes Haschisch bekannt, einem weltweit beliebten Exportschlager mit dessen Schmuggel sich die schiitischen Terroristen zum Teil finanzieren. In den selben Zeitraum fällt auch die Zusammenarbeit der PKK-Führung mit den unterschiedlichen syrischen Geheimdiensten (2).

Laut Schätzung von Experten wurden zehntausende Kämpfer unter Beobachtung und Anleitung des assadschen Sicherheitsapparates ausgebildet. Ab 1986 in einem eigenen Camp, der so genannten ‚Mahsum-Korkmaz-Akademie‘. Dank der umfassenden Unterstützung konsolidierte sich die PKK zusehends und forcierte ihre Strategie der militärischen Nadelstiche im Nachbarland.

Gleichzeitig war die Organisation Mitte der Achtziger Jahre mit unzähligen Machtkämpfen und Säuberungswellen beschäftigt. Wie vom sowjetischen Original bekannt, wurden die ehemaligen Genossen zu Geständnissen gezwungen und aufgrund dieser erpressten Aussagen verurteilt und hingerichtet. Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden zwischen 1000 und 2000 Menschen bei internen Disziplinierungsmaßnahmen ermordet.

Ein Vergleich: Bei Gefechten mit den türkischen Sicherheitskräften starben innerhalb von zwei Jahren (1984 bis 1985) insgesamt 128 Kämpfer der PKK. Allein bei einem einzigen Ereignis im Jahre 1987 wurden 68 führende Kader erhängt (3).

Der syrische Bürgerkrieg

Seitdem die Aufstände gegen Assad im März 2011 begonnen hatten und sich blitzschnell im ganzen Land verbreiteten, war das Assad Regime auf die Hilfe der PKK/PYD angewiesen. Sie waren nicht mehr in der Lage, die kurdische Bevölkerung zu unterdrücken, weil das Regime mit anderen syrischen Gebieten beschäftigt war.(1)

Als der Aufstand in Syrien 2012 militärisch eskalierte, handelte die Regierung ein Abkommen mit der PYD aus. Die Partei sollte die politische, militärische und wirtschaftliche Verwaltung über die nordöstlichen Kantone übernehmen und gleichzeitig für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sorgen. Das bedeutete konkret die Unterdrückung jeglicher Opposition. Neuralgische Punkte, wie zum Beispiel der Flughafen in Qamischli, blieben aber weiterhin in den Händen der regierungstreuen Truppen.

Die ideologische Legitimierung ihrer Herrschaft bildete die so genannte „Autonome Demokratische Selbstverwaltung“, kurz: der „demokratische Konföderalismus“. Eine beabsichtigte Irreführung vor allem für die im Westen beheimatete Unterstützerszene. Die zahlreichen neu aufgebauten lokalen Gremien dienen nicht etwa der Umsetzung der weltweit gepriesenen Basisdemokratie, sondern einer umfassenden Kontrolle der Bevölkerung. Anstatt transparente demokratische Strukturen aufzubauen, bestimmen loyale Autoritäten in den Kantonen die politische Entscheidungsprozesse.

Organisationen und Parteien die kritisch gegenüber dem Assad-Regime beziehungsweise der PYD eingestellt waren und sind, wurden weder in die neu strukturierte Verwaltung der kurdischen Gebiete noch in das Parlament eingebunden. Demonstrationen gegen die neuen Machthaber sind verboten. Unabhängige Journalisten, Aktivisten und Mitglieder oppositioneller Vereinigungen wurden entführt und gefoltert. Seit 2012 sind mindestens 30 politische Kritiker der PYD ermordet worden.

Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Humans Rights Watch berichteten in den letzten Jahren über die Schreckensherrschaft der neuen Lieblinge der internationalen Solidaritätsbewegung. Doch kaum jemand interessiert sich für die Berichte von Zwangsrekrutierungen, die Tatsache, dass Kindersoldaten in den Reihen der YPG kämpfen oder über die Vertreibung von ganzen Dorfbevölkerungen (4).

Mythos und Wahrheit

Ein häufig bemühtes Argument für die kurdische Selbstverwaltung durch die PYD ist der angebliche Schutz von religiösen und ethnischen Minderheiten. Ganz konkret dagegen spricht das Verhalten der YPG im Oktober 2015 in der Gegend von Tall Abyad. Amnesty International berichtete damals: „Mit der mutwilligen Zerstörung von Häusern, in einigen Fällen dem Niederbrennen ganzer Dörfer und der Vertreibung von Bewohnern ohne militärische Rechtfertigung missbraucht die Autonomieverwaltung ihre Macht und verstößt gegen internationales humanitäres Recht; solche Angriffe sind Kriegsverbrechen gleichzusetzen(5). Die betroffenen Dörfer waren größtenteils arabisch dominiert. Ihre Vertreibung wurde mit einer angeblichen Kollaboration mit dem Islamischen Staat (IS) gerechtfertigt, aber ein Beweis wurde nicht geliefert.

Abstrakt muss diese Minderheitenpolitik, „das Mosaik von Volksgruppen(5) wie es ein arabischer Bewohner von Manbidsch wohlwollend bezeichnet, als Ethnopluralismus auf lokaler Ebene denunzieren werden. Anstatt das Individuum zu schützen – vor der Unbill des Stammeswesen sowie religiösen Vorschriften – zementiert die PYD genau diese archaischen Verhältnisse und verleiht ihnen teilweise noch mehr Macht als zuvor. Als Vertreter der Minderheiten (seien es Armenier, Araber, Turkmenen oder Tscherkessen) werden die althergebrachten Autoritäten anerkannt und somit auch die überkommenen Traditionen, die angeblich durch die fortschrittliche Politik der PYD Stück für Stück zurückgedrängt werden.

Gerade die gesellschaftliche Rolle der Frau wird als Prunkstück der syrisch-kurdischen Emanzipationsbewegung hervorgehoben, nur leider entspricht das eher den Phantasievorstellungen westlicher Männer als der Realität. Frauen arbeiten zumeist in eigenständigen politischen und militärischen Strukturen. Die Trennung zwischen Frau und Mann wird strickt eingehalten. Eine Zusammenarbeit über Geschlechtergrenzen hinweg gibt es nur auf höchster Parteiebene. In den entscheidenden Gremien sind aber die Männer bestimmend, also im Hauptquartier und beim Militär.

Schwangerschaften innerhalb der militärischen Strukturen sind nicht erlaubt und führen zu harten Bestrafungen. Liebesbeziehungen werden ebenfalls nicht gern gesehen. Auch das angebliche Verbot der Polygamie ist nur eine Schimäre. Gegenüber der taz berichtet eine Mitarbeiterin der Organisation Kongra Star, dass wegen des „Mangels an jungen Männern“ einige Frauen sich auch auf eine Ehe mit bereits verheirateten Männern einlassen würden: „Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, kann der Richter dieses Recht ausnahmsweise gewähren“(5).

Die vielfach gefeierten Fraueneinheiten der kurdischen Befreiungsbewegung sind für die einzelnen Kombattanten zumeist nur der Ausweg aus archaischen Zwangsverhältnissen. Anstatt als Teenager innerhalb der bäuerlichen Gemeinschaft zwangsverheiratet zu werden, fliehen sie direkt in die Arme einer Terrororganisation. Die dann erfolgende Indoktrination ist bestialisch: „Märtyrer zu sein ist das Beste, was es gibt. Angst ist etwas für eure westlichen Frauen in ihren Küchen(6), diktierte eine Kommandantin der YPG dem Journalisten Wes Enzinna ins Mikrofon. Junge Frauen die sich als Selbstmordattentäterin ‚opfern‘, werden hierzulande als Märtyrerinnen gefeiert, obwohl dies doch eigentlich den ideologischen Vorgaben widerspricht, wonach der Islamische Staat den menschlichen Leib verachtend als Waffe bereitwillig einsetzt, während die YPG doch zum Schutz der unzähligen bedrängten Menschen nur ihre Verteidigung organisiert.

Einen Märtyrerkult, egal welcher Art, gilt es nicht zu idealisieren, sondern zu kritisieren. Doch solche Widersprüche werden von den europäischen Unterstützern geflissentlich ignoriert, die wackeren Kämpferinnen gegen den Islamischen Staat (oder derzeit gegen die türkische Invasion) werden trotz alledem wie Postergirls im Internet herumgereicht.

Lunatic Fringe

Die jetzige Führung der PKK steht dem Iran nah und der Iran ist der Hauptunterstützer des syrischen Regimes. Daher war es der PKK/PYD möglich, ein Verbündeter von Assad zu sein.(1)

Im April des vergangenen Jahres erklärten zwei Kommandanten der Hisbollah, dass sie in der Vergangenheit mit der YPG mehrfach zusammengearbeitet hatten. Das Assad-Regime stritt zwar jegliche Absprachen mit der kurdischen Parteimiliz ab, die Hisbollah-Kommandanten erklärten jedoch, dass sie sich direkt mit der YPG „abgestimmt hatten, als diese in Nordsyrien gegen den Islamischen Staat vorgingen und sich Kämpfe mit syrischen Rebellen lieferten(7).

Nachdem die türkischen Armee vor wenigen Wochen im Kanton Afrin mit einem massiven Truppeneinsatz eindrang, kämpfte die YPG gemeinsam mit vom Iran finanzierten schiitischen Milizen und der Unterstützung durch die US-amerikanischen Truppen vor Ort. Diese ungewöhnliche Allianz wurde alsbald von Kämpfern der Hizbollah verstärkt. Der lachende Dritte im Bunde ist mal wieder der syrische Diktator Baschar Al-Assad.

Seine Truppen schießen gerade Ost-Ghouta sturmreif, rücken in Idlib gegen die mit der Türkei verbündeten jihadistischen Milizen vor und besetzen gemeinsam mit der YPG Stellungen in Afrin. Spätestens jetzt sollte klar sein: Der Aufstand gegen das ba‘athistische Terrorregime droht nicht zu scheitern, er ist gescheitert. Die antiimperialistische Allianz Iran-Russland-Syrien-Hizbollah hat in weiten Teilen des Landes militärisch die Oberhand gewonnen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis in der Arabischen Republik wieder jene Friedhofsruhe einkehrt, wie vor dem März 2011.

Den Freunden der kurdischen Sache sollte klar sein, dass die wie auch immer gearteten Autonomiebestrebungen nicht nur von der Türkei mit Vehemenz abgelehnt werden. Der Norden Syriens gehört nach Ansicht Assads untrennbar zu seinem Machtbereich. Spätestens wenn die letzten von sunnitischen Aufständischen gehaltenen Gebiete durch regierungstreue Milizen erobert werden, ist das Experiment demokratischer Konförderalismus in akuter Gefahr. Eines steht aber jetzt schon fest: die perfide Strategie der syrischen Machthaber und ihrer Verbündeten ist aufgegangen; divide et impera.

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB] im März 2018

Anmerkungen:

(1)Aktuell werden die Entscheidungen von den PKK-Funktionären getroffen und die PYD führt sie lediglich aus. Die Befehlshaber und Entscheidungsträger in den kurdischen Gebieten in Syrien sind die Funktionäre der PKK. Darüber haben bereits viele westliche Journalisten berichtet, die vor Ort waren. Die Fotos von Öcalan hängen in den kurdischen Gebieten in Syrien überall.“ Jian Omar im Gespräch mit Arin Jaafar, Huffington Post, 03.11.2017

(2) Der syrische Geheimdienst konnte nicht nur auf den Erfahrungsschatz des Nazis Alois Brunner zurückgreifen, sondern wurde später auch durch Mitarbeiter der Staatssicherheit geschult.

(3)Die Geschichte der Arbeiterpartei Kurdistans“, Wikipedia und „Hinrichtungen in den Reihen der PKK“ von Helmut Oberdiek

(4)Amnesty International wirft Kurden Vertreibung vor“, ZEIT Online, 13.10.2015

(5)Demokratische Enklave in Nordsyrien“, Mireille Court, Erstveröffentlichung in Le Monde diplomatique, auf deutsch in der taz, 15.09.2017

(6)Utopia im Krieg“, Wes Enzinna, Philosophie Magazin Nr. 3/2016

(7)Syrien: Kurdische Partei kooperiert mit Hisbollah“, Thomas von der Osten-Sacken, Mena Watch, 03.04.2017

Reclaim the Streets

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Wie Erdbeereis im Kindermund

Ich bin der Meinung, dass es für uns – sei es für den einzelnen, für eine Partei, eine Armee oder eine Schule – schlecht ist, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn in diesem Fall würde es doch bedeuten, dass wir mit dem Feind unter einer Decke steckten. Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, dass wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten lässt, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, dass wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern dass unsere Arbeit auch glänzende Erfolge gezeitigt hat.Mao Tse Tung

ZEIT

Unsere Arbeit hat glänzende Erfolge gezeitigt. Zu dieser Auffassung muss zumindest die ZEIT-Redaktion gelangt sein. Weshalb sonst würde die Hamburger Wochenzeitung innerhalb von einem Jahr gleich drei Schmähartikel gegen Antideutsche abdrucken? Nachdem im März des vergangenen Jahres der Dreigroschenjunge Mohamed Amjahid mit einem Artikel im Zeit-Magazin reüssieren durfte, im Juni Armin Langer die Mär von der „Angst der Juden vor den Judenfreunden“ in die Welt setzte, tritt nun ein weiterer Autor in Erscheinung, der seine Erfahrungen mit der radikalen Linken wild zusammengewürfelt als Abschied von einer angeblich rassistischen Zusammenrottung öffentlich zelebriert:

Doch dann war da auch die linke Feministin, die mich auf rechtspopulistische, islamophobe Blogs verwies, um ihre vermeintliche Religionskritik zu belegen. Oder der Antifaschist, der mir sagte, er möge mich eigentlich, wäre da nicht die Sache mit meiner Alkoholabstinenz.

Persönliche Lebenserfahrungen als Beleg für die Verderbtheit einer gesamten Szene zu verkaufen, so dachten wir zumindest, ist die Domäne der Boulevardpresse. Dort können Aus- und Umsteiger die Beichte ihrer politischen Untaten ablegen, um dann, wie Phoenix aus der Asche entstiegen, den neuen politischen Zeitgeist zu beschwören und somit ihre Verwertbarkeit als geläuteter Sünder dem geneigtem Publikum anzudienen. In diesem Fall ist es die Qualitätspresse, die sich nicht einen Deut darum schert, dass der anonymisierte Autor keinerlei Beleg für seine Behauptungen liefert. Wozu auch? Es gilt schließlich mit allem verfügbaren Wahnsinn der Diskriminierung von Muslimen entgegenzutreten!

Eine publizistische Bankrotterklärung

Als ich einem linken Aktivisten erklärte, warum ich während der muslimischen Fastenzeit nichts esse, hörte ich danach nie wieder von ihm. Wenn ich meinen Alkoholverzicht mit meinen Punkfreunden erklärte, also mich als straight edge bezeichnete, brachte mir das Respekt ein. Wenn ich dies aber religiös begründete, oder sie mir einfach ohne zu fragen unterstellten, es habe religiöse Gründe – dann sagten sie, man könne mit mir keine Freizeit verbringen. Und wenn ich den Begriff „islamophob“ verwendete, nannten mich manche einen Islamisten. Islamophobie gebe es nämlich nicht, das sei eine Erfindung islamistischer Propagandisten.

Sich gegen Kritik mit erfundenen Deprivationsvokabeln abzudichten und dabei die Rolle des bemitleidenswerten Opfers zu bekleiden, ist selten bescheuert, aber hierzulande eine sehr erfolgreiche Strategie. Der berechtige Einwurf, dass solch eine Selbstkasteiung, sprich die strenge Einhaltung der religiösen Vorschriften, keinerlei Unterstützung verdient, wird eben nicht nur von ganz sensiblen Zeitgenossen als Rassismus ausgelegt. Genau deshalb wurde das Traktat auf ZEIT-Online veröffentlicht. Mittels dieser individuellen Opferrolle rückwärts sollen islamkritische Stimmen innerhalb der Linken als rassistisch abgestempelt werden. Der Auflage schadet es ganz bestimmt nicht.

Der Feind lauerte für meine Freunde seitdem nicht mehr nur in der rechten Ecke, sondern in migrantischen Vierteln und Milieus. Da war es dann auch nur konsequent, gegen diesen Feind staatliche Repressionen zu fordern: Racial Profiling, Überwachung, massive Polizeieinsätze, sogar militärische Interventionen. Mitglieder der Grünen Jugend, mit denen ich früher gegen Krieg demonstriert hatte, schlossen sich der Initiative „Stop the Bomb“ an. Ich kannte die Initiative bis dahin nur aus rechtspopulistischen Blogs, auf deren Konferenz 2008 hatten Teilnehmer einen atomaren Präventivschlag gegen den Iran gefordert.

Damit der neu auserkorene Feind als blutrünstiger Wiedergänger der Nationalsozialisten auch zielgenau erkannt wird, streut man bereitwillig diese Aneinanderreihung gröbsten Unfugs unter das Publikum. Eine systematische rassistische Verfolgung, der Ausbau hin zum totalitären Überwachungsstaat und atomare Angriffskriege: Die ZEIT liefert die Schlagwörter für eine größtmögliche Empörungswelle, die alsbald schlagende Burschenschaften hierzulande als Argument gegen jede Vernunft genauso erfolgreich ins Felde führen werden, wie es an den Universitäten in angelsächsischen Ländern schon heute teilweise der Fall ist.

Wehret den Anfängen!

Als in der Nacht vom 9. auf dem 10. November 2017 vermutlich Rechtsradikale einen Brandanschlag gegen eine Marburger Moschee verübten, war die einzige Reaktion der lokalen Antifa, mögliche Verbindungen der Moschee zu Islamisten zu diskutieren.

Wenn der Autor gezwungen ist konkret zu werden, schmilzt sein mühsam aufgebautes Konstrukt so schnell wie Erdbeereis in einem Kindermund. Die Antifaschisten aus Marburg verurteilten in ihrer Pressemitteilung nach dem Brandanschlag „rassistische Angriffe jeder Art“ und wiesen ausdrücklich auf die „Gewaltbereitschaft“ der lokalen Neonaziszene hin. Nur drei Minuten Recherche hätten diese Information zu Tage gefördert. Aber wozu die Mühe, wenn man doch die Möglichkeit hat, unhinterfragt Gerüchte zu streuen.

Befreundete Antifaschisten von damals sprechen heute in sozialen Medien von „kulturell unterlegenen“ Ländern, wenn sie Staaten im Nahen Osten meinen. Einer ging gleich so weit, nach den antisemitischen Parolen bei den propalästinensischen Demonstrationen im Dezember Islamisten die Reise nach Israel anzubieten, „damit sie dort von den Sicherheitskräften eine Kugel in den Kopf bekommen“.

Zum Ende die sinnstiftende Pointe: Antifaschisten, die sich mit Israel solidarisch erklären und den bewaffneten Selbstschutz verteidigen, sind skrupellose Gangster, die sich nur den Tod ihrer Gegner wünschen. Am besten durch einen atomaren Erstschlag. (Pro-)Palästinensische Demonstranten dagegen rufen zwar antisemitische Parolen, sind aber in Wirklichkeit die wahren Opfer. Deshalb dürfen sie zu allen erdenklichen Mitteln greifen. Deutsche Opferlogik auf Höhe der ZEIT.

Die Trennungslinie ist klar.

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB] im Februar 2018

Gegen die Kollaboration mit den Mullahs!

Eine Kundgebung der Antideutschen Aktion Berlin [ADAB]
am Mittwoch den 1o. Januar 2018 um 18:00 Uhr
vor dem Auswärtigen Amt, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin

Seit über einer Woche halten sie nun schon an, die Proteste auf den Straßen im Iran. Was als Aufstand gegen wirtschaftliche Verelendung und steigende Arbeitslosigkeit begann, entwickelte sich schnell zu einem Protest gegen das Mullah-Regime selbst. Die Protestierenden fordern einen militärischen Rückzug aus Syrien, sowie ein Ende der Finanzierung der Hamas und Hezbollah. Das Mullah-Regime beantwortete die Proteste mit Repression und Waffengewalt.

Die deutsche Politik, die sonst gern ungefragt mit moralischen Ratschlägen um sich wirft, schwieg. Vier Tage dauerte es, bis das Auswärtige Amt sich erstmals äußerte. Was dann kam war eine Empfehlung an das Teheraner Regime, doch besser „die Rechte der Protestierenden zu achten“, gefolgt von „Appellen an beide Seiten“ und den üblichen diplomatische Phrasen über „Dialog“ und „Zurückhaltung“. Zeitgleich waren die ersten toten Demonstranten zu beklagen.

Wer hat Euch verraten? Sozialdemokraten!

Die Aufstände sind ein Dolchstoß für die Mär von der freundlichen Regierung Hassan Rouhanis. Jenem Teheraner Präsidenten dem man gerne, entgegen jeder Evidenz, attestiert, er sei „gemäßigt“ oder gar „liberal“. Diese immer wieder vorgetragene Lüge wird nicht nur von Diplomaten bemüht, sondern auch von fast ausnahmslos allen deutschen Medien. Im selben Tenor wurde das Atomabkommen von 2015, welches der damalige Außenminister und Mitverhandler Frank-Walter Steinmeier einen „historischen Erfolg der Diplomatie“ nannte, größtenteils unkritisch befürwortet.

Der antisemitische Charakter des islamistischen Regimes in Teheran wird dabei gerne verleugnet. Das ist eine ideologische Meisterleistung, angesichts der Tatsache, dass man im Iran nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass die Zerstörung Israels fester Bestandteil der eigenen Agenda ist. So erklärte etwa Ayatollah Ali Khamenei im Jahr 2001: „das beständige Thema des Iran ist die Eliminierung Israels in der Region.

Ökonomisch gesehen ist Deutschland seit der islamischen Revolution 1979 einer der wichtigsten Handelspartner des Iran. Durch die Aufhebung der Sanktionen im Rahmen des Atomabkommens wittert man hierzulande Milliardenumsätze. Doch diese wirtschaftliche Zusammenarbeit ist nur ein Teil der Erklärung. Deutsche Publizisten und sogenannte Nahost-Experten liefern dem Regime publizistischen Beistand, ohne selbst finanziell zu profitieren. Es ist Teil ihrer Ideologie, gegen Israel und in Allianz mit dessen Todfeinden zu stehen.

Brothers in Crime

Einem solchen Regime diplomatische und publizistische Schützenhilfe zu leisten, wohl wissend, was die Hezbollah, Hamas und andere vom Iran finanzierte und gesteuerte Truppen im Nahen Osten tun, ebenso wie die unverblümten Vernichtungsphantasien der Teheraner Führung wohlwollend zu ignorieren, spricht dafür, dass hier Überzeugungstäter am Werk sind.

Besonders der Sozialdemokrat und amtierende Außenminister Sigmar Gabriel prescht dabei immer wieder mit deutlichen Statements hervor. Seine obsessive Israelkritik, die im Vergleich zu seinem Umgang mit dem Iran wie blanker Hohn erscheint, spricht Bände und brachte ihm in Israel zu Recht den unehrenvollen Titel „Posterboy der Hamas“ (Jerusalem Post) ein.

Gegen das deutsche Appeasement gegenüber dem iranischen Regime und die Schützenhilfe der Nahost-Experten in den deutschen Medien gehen wir auf die Straße und fordern: Solidarität mit den Revoltierenden im Iran!

Luthers Erben.

Eine Veranstaltung der Antideutschen Aktion Berlin [ADAB]
am Mittwoch den 17. Januar 2018 um 18:30 Uhr
in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstr. 42/43, Berlin

In den vergangenen zwölf Monaten haben die deutsche Öffentlichkeit vor allem zwei Personen beschäftigt. Donald Trump, der im vergangenen November zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden ist. Und Martin Luther, der der Erzählung nach am 31. Oktober 1517 mit dem Anschlag seiner Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche die Reformation eingeleitet hat. Während es zur Wahl Trumps hierzulande keine zwei Meinungen gibt, ist Deutschland bei Luther vorerst noch gespalten. Pastor Gauck lud noch während seiner Amtszeit als Bundespräsident zu einem besinnlichen Abend zu Ehren Luthers ins Schloss Bellevue. Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Haseloff würdigte den in Eisleben geborenen Landessohn als Begründer der Zivilgesellschaft. Außerhalb der interessierten Glaubensgemeinden und Heimatvereine stieß die Ehrung des Wittenberger Reformators jedoch auf Befremden. Und selbst bei der traditionellen Anhängerschaft weckte Luther Distinktionsbedürfnisse. Margot Käßmann betonte, dass sie lieber die Reformation feiern wolle, als den Spiritus Rector der Evangelischen Kirche Deutschlands. Von den Redakteuren der großen deutschen Blätter wollte ohnehin fast niemand eine Lanze für Luther brechen. Der Spiegel betitelte ihn als Wutbürger, die Zeit erklärte ihn zum Vater des Arbeitsfetischs, während ihn die FAZ als Antikapitalisten portraitierte. Die Frankfurter Rundschau umschrieb seine Reformation als Islamismus des Mittelalters, die Emma wählte den Augustinermönch bereits vor Jahren zum Pascha des Monats. Die Antifa zeigte sich von dieser öffentlichen Stimmung unbeeindruckt. Völlig unbekümmert um die tatsächlichen Verhältnisse stilisierte eine Initiative Luther zum deutschen Nationalhelden, um mit markigen Worten einfach die dümmsten Vorwürfe der Bundespresse zu wiederholen. In Halle entrollte eine Gruppe von Antifaschisten an Himmelfahrt bei einem Gottesdienst auf dem Marktplatz ein Transparent mit der Aufschrift: »Luther – du mieses Stück Scheiße!«.

Anlässlich der öffentlichen Kampagne gegen Martin Luther fragt Knut Germar, weshalb sich deutsche Linke derart über einen Mann ereifern, der seit fast fünf Jahrhunderten unter der Erde ruht – und zu dem die tonangebenden Kreise in Deutschland längst auf Distanz gegangen sind. Harald-Jürgen Finke erinnert Luthers blindwütige Ankläger an den Beitrag, den die Reformation im dialektischen Sinn für die Aufklärung geleistet hat. Beide Referenten sind Redakteure der Zeitschrift Bonjour Tristesse. Knut Germar ist zudem Autor der Zeitschrift Bahamas.