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Zookinder

Am 20. September 1913 kam Carla Simon zur Welt. Am gleichen Tag wurde ein Elefantenbaby im Berliner Zoo geboren und nach ihr benannt. Carla ist eines der sogenannten »Zookinder«. Eines der Kinder, deren Eltern Zooaktionäre sind und die deshalb den Zoo mit ihren Familien kostenlos besuchen dürfen. Gerade während der Zwischenkriegszeit war der Berliner Zoo einer der beliebtesten Treffpunkte der Berliner Bürger. Einige der »Zookinder« erinnern sich noch heute an dort glücklich verbrachte Kindheitstage. Nicht, weil der zoologische Garten im Berliner Ortsteil Tiergarten der älteste Zoo Deutschlands ist, oder weil er als artenreichste der Welt gilt. Sondern weil es ihr Zoo war. Zumindest bis 1938. Denn ab da war es Juden verboten, den Zoo zu betreten.

Jüdische Aktionäre

Am Erfolg des Berliner Zoos hatten die Berliner Juden einen großen Anteil: Von den 4000 Aktionären der Zoologischer Garten Berlin AG waren vor dem Nationalsozialismus 1500 Juden. Carlas Vater Walter Simon war nicht nur Aktionär und Mitglied im Aufsichtsrat. Der Zoo war Lebensmittelpunkt für die Familie. Doch bereits in den frühen 1930ern setzte die Ausgrenzung der jüdischen Mitglieder des Aufsichtsrats ein. Geplant wurde, stattdessen Personen mit nationalsozialistischer Gesinnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Es gab Widerstand, jedoch ohne Erfolg. Walter Simon, der bis 1933 den Zoo auch juristisch vertreten hatte, teilte im selben Jahr desillusioniert sein Ausscheiden mit. Die Familie Simon besuchte den Zoo danach nicht mehr, der ihr viele Jahre als Ort gesellschaftlichen Austauschs gedient hatte.

Im Zuge der so genannten »Arisierung« war es den jüdischen Aktionären ab 1938 nicht mehr möglich, ihre Aktien zu vererben oder weiterzuverkaufen – sie konnten ihre Wertpapiere lediglich zu Schleuderpreisen an den Zoo übertragen, der diese dann wiederum an nichtjüdische Deutsche verkaufte. Die Entrechtung und der Raub waren die Vorstufe zur Vernichtung. So musste auch Walter Simon seine Wertpapiere im Dezember 1938 verkaufen. Carla Simon konnte mit ihrem Ehemann 1936 nach London fliehen. Walter Simon und seiner Frau gelang die Auswanderung nicht mehr, sie wurden 1942 in Riga ermordet.  

Der Berliner Zoo im Nationalsozialismus

Bis heute hat der Zoo nicht angemessen Stellung bezogen. Wie so viele andere deutsche Unternehmen, hat auch der Zoo lange gewartet, um sich zu diesem Teil seiner Geschichte zu verhalten. Die Resultate, eine Gedenktafel am Antilopenhaus und eine Studie über die Rolle des Berliner Zoos während des Nationalsozialismus, bleiben klägliche Versuche, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Historikerin Monika Schmidt – die die Studie letztlich publizierte – stellte fest, dass der Zoo seine jüdischen Aktionäre „aktiv, systematisch und aus freien Stücken“ verdrängte und beraubte. Noch im Mai 2015 hielt Zoodirektor Andreas Knieriem eine Rede anlässlich der Verlegung eines Stolpersteins für Hilde Singer, auch eines der »Zookinder« und Tochter jüdischer Anteilseigner. Knieriem erwähnte den Nationalsozialismus nicht einmal. Kein Wort des Bedauerns über das unsagbare Unrecht fand der Zoochef für die enttäuschten Angehörigen.

Im Dezember 2015 folgt nun die Kehrtwende. Getrieben von den Recherchen der Historikerin Schmidt, gibt der Zoo-Direktor das Versprechen: ab jetzt werde auch „die dunkle Seite der Geschichte des Zoos“ wahrgenommen. Entschädigungen werden aber weiterhin ablehnt. Stattdessen setzt man auf eine Ausstellung und eine weitere Hinweistafel. Das alles geschah durch Druck von außen. Sowohl wenige Überlebende der Shoah, als auch einige Kinder ehemaliger Aktionäre haben durch unzählige Briefe und Bitten dazu beigetragen.

Es passt nur allzu gut ins Bild, dass es im Zoo eine Büste für den von 1932 bis 1945 tätigen Zoodirektor Lutz Heck gibt. Ein Freund Hermann Görings, der bereits 1933 ein Fördermitglied der SS war und es sogar bis zum Leiter der NS-Naturschutzbehörde schaffte. Ein weiteres Beispiel für den ignoranten Umgang mit den ehemaligen jüdischen Aktienbesitzern stellt – zumindest bis heute – die Homepage des Zoos dar: Der 2. Weltkrieg wird in einem Satz abgehandelt und lediglich die „zerstörten Bauten“ des Zoos bedauert, um dann sofort zum Aufbauwerk der Nachfolgerin Hecks überzugehen. Der Raub jüdischen Eigentums und die Ausgrenzung und Vernichtung der Juden wird mit keiner Silbe erwähnt. Wir sind uns allerdings sicher, dass wir hier bald eine Sonderseite zum Thema finden werden. Eine kleine Abbitte in HTML-Format. Das wäre ganz im Stil der bisherigen Auseinandersetzung in dieser Institution.

Erinnerung als höchste Form des Vergessens

In der BRD ist es mittlerweile Tradition, zu diesem Thema pathetische Reden zu halten und sich in Bekenntnissen über die deutsche Schuld an der Shoah zu übertreffen. Doch all das wohlfeile Gerede von Verantwortung führt selten zu materieller Entschädigung. Obwohl Deutschland einerseits durch die Enteignung, andererseits auch mittels der Zwangsarbeit sowie der Ausplünderung der von Deutschland kontrollierten Gebiete finanziell enorm profitierte. Angefangen bei den viel zu niedrigen »Wiedergutmachungszahlungen« der jungen Bundesrepublik an Israel, die wohlgemerkt aus politischem Kalkül und nicht aus einem schlechten Gewissen heraus geleistet wurden, mussten sich viele Opfer des deutschen Vernichtungswahns, wenn überhaupt, mit heuchlerischen Gesten und symbolischen Beträgen begnügen. Heute mangelt es vielen der noch lebenden Holocaustüberlebenden allerdings gerade an finanzieller Unterstützung für das Nötigste.

Unsere Forderungen

Es gibt keine Wiedergutmachung für die Shoah. Dies darf den Profiteuren der »Arisierung« allerdings nicht als Entschuldigung oder Ausrede dienen, noch nicht einmal einen materiellen Ausgleich zu schaffen: Die Kinder und Kindeskinder der jüdischen Anteilseigner, so auch die Erben Walter Simons, haben bis heute nichts von den Investitionen ihrer Eltern und Großeltern in den Zoo gesehen, diesbezügliche Anfragen an den Zoo wurden abgeblockt.

Wir fordern, dass die Zoologischer Garten Berlin AG und das an ihr beteiligte Land Berlin die Nachfahren der rechtmäßigen Anteilseigner ausfindig macht und ihnen endlich eine Entschädigung zahlt – samt dem Wertzuwachs, den die Aktie seitdem durchlaufen hat. Momentan ist die Aktie etwa 4000 € wert, mindestens diese Summe wäre also angemessen. Bei einem regelmäßigen Jahresumsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich und jährlich ca. 3 Mio. Besuchern sollte dies möglich sein.

Antideutsche Aktion Berlin im Dezember 2015

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Es ist unser Ernst!

Es war einmal, dass die – richtige oder falsche – Idee die Massen ergreifen und begeistern mußte, um selber zur materiellen Gewalt zu werden wie 1789 oder 1917. Im Atomzeitalter, hieß die Botschaft, kommt die Geschichte ohne Ideen und ohne Massen aus – noch nie waren die Menschen so überflüssig. Kein Wunder daher, dass manche zum Islam, der Religion des Fatalismus, konvertieren, und viele etwas trübsinnig wurden.“ Wolfgang Pohrt

Kartoffelauflauf in der Innenstadt. Braun-rote Grütze überall. Menschen, die den Eindruck erwecken, sie hätten ein Ei am wandern, plärren lauthals Blödsinn ins Mikrofon. Es geht gegen die Juden, die weltweit Herrschenden. Und deren zahlreiche Handlager, wahlweise die NSA/USA, die deutsche Bundesregierung oder die Europäische Union. Nicht einmal hundert Aufgebrachte klatschen frenetisch. Der Zirkus ist in der Stadt. Ein paar Clowns verfrühstücken die amerikanische Außenpolitik auf Nutella-Niveau, aber kaum jemand will so richtig anbeißen. Der sich zur Masse halluzinierende Mob fällt in sich zusammen, eine richtige Bewegung wird daraus nicht. Der Mehrheit in Deutschland geht es nicht um den ‚Frieden auf der Welt‘, sondern um die äußerst komfortable Friedhofsruhe hierzulande. Dabei stören Querulanten nur.

Allerhöchstens die radikalsten Teile der erfolgreich sedierten Volksgemeinschaft können noch eine gewisse Aktivität auf der Straße entfalten. Die große Koalition ist das deutsche Wunschkonzert. Keiner tanzt aus der Reihe, es ist die perfekte Welle. Nigeria, Griechenland, Syrien, das Mittelmeer oder die Ukraine könnten sechs Häuserblocks entfernt liegen, wenn Ottonormalverbraucher noch einen gut gesicherten Nachschub an Chips, Bier und Unterhaltung hat, interessiert ihn das nicht die Bohne. Ruhe, Ordnung, Sicherheit 2.0. Kann kommen was will. Shopping Queen, Brennpunkt Familie und Circus Halligalli heißt das sich ständig wiederholende Programm innerhalb der eigenen vier Wände. Woche für Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Ein gewisses Interesse an dem langatmigen Zinnober von linken Friedensbewegten, Verschwörungstheoretikern, Hippies, Esoterikern, Neonazis und anderen deutschen Narzissten bringt der Durchnittsdeutsche allerhöchsten auf wenn bei Spiegel TV darüber berichtet wird. Unterlegt mit dramatischen Bildern, einer aufgeregten Stimme aus dem Off und entsprechender Musik. Das dabei manchmal entstehende schlechte Gewissen wird wahlweise kompensiert mit einem Kasten Warsteiner oder einer Spende für Pro Asyl. Derzeit reicht es aus, damit die Mittelschicht ihren höchst willkommenen Distinkstionsgewinn gegenüber dem Plebs einstreichen kann, einfach nur die alten Klamotten auszumisten. Anstatt in der Mülltonne zu landen, dürfen nun einige glückliche Flüchtlinge diese Altkleidersammlung neu auftragen.

Ein Fall für die Antifa?

Deutlich als Gegner*innen der Veranstaltung war eine Gruppe von Antifaschist*innen zu erkennen, die sich mit selbst gebastelten Hüten aus Alufolie über die Nähe der ‚Friedensbewegung 2014′ zu obskuren Verschwörungstheorien über ‚Chemtrails‘ und ähnlichem lustig machen wollten. Da sie aber auch gleichzeitig mit vollem Ernst Israel- und USA-Fahnen schwenkten und mal ‚lustige‘ und mal ernste Zwischenrufe abgaben, wirkte der Protest nicht sehr stimmig.“ ‚Autonome Skater*innen‘ auf Indymedia

Wenn der Gegenstand der Kritik unter aller Kritik ist, bleibt allerhöchstens noch die Satire. Es ist unser Ernst. Jugend trainiert für Karneval ist die ganz und gar falsche Antwort auf das kollektive Schattenwerfen der deutschnationalen Gartenzwerge. Nicht nur weil der eigene Auftritt völlig lächerlich ist. Es adelt stattdessen diesen schlecht organisierten Wahnsinn zu einer realen Gefahr. Dabei gilt: Die gesellschaftliche Relevanz des Gegenstandes antideutscher Kritik sollte über die einzusetzende Mittel entscheiden. Dieses versprengte Häuflein komplett Bekloppter verdient jedoch noch nicht einmal unseren Hohn und Spott. Einfach links liegen lassen ist in diesem Falle das Beste. Professionelle Satiriker erledigen schon den Rest.

Wenn der Vollzeitirre Ken Jebsen behauptet, ständig in Berlin von Antideutschen körperlich bedrängt zu werden, versucht er damit nur seine Stellung als bedeutender, ‚investigativer Enthüllungsjournalist‘ herauszukehren. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist einzig der Wunsch Vater des Gedankens. Weder der Mossad, die CIA, noch ernstzunehmende Antideutsche arbeiten sich an einem solch unbedeutenden Subjekt ab. Es gibt in diesem Land ganz andere Themen: geschichtsrelativierende Historiker, Auftritte von Tayip Erdogan und seinen Spießgesellen, die christlich-konservative Zivile Koalition, salafistische Prediger, deutsche Vertriebene in vierter Generation, Veranstaltungen antizionistischer ML-Organisationen, Esoteriker jeglicher Couleur, deutsch-iranische Wirtschaftsforen, holocaustrelativierende Tierschützer sowie jeder Auftritt von Jakob Augstein in der Öffentlichkeit. Hier gilt es zu intervenieren!

Für die Berliner Republik?

In einem misslungenen Beitrag für die Jungle World hat kürzlich die Antideutsche Aktion Berlin ein Ende der Eventpolitik gegen den Berliner Quds-Marsch gefordert. Wir teilen die Abscheu gegen das Mitmachen an sich, von linken Bündnissen ganz zu schweigen. Wir mobilisieren trotzdem gegen den Aufmarsch der antisemitischen Internationale, und beteiligen uns an der bundesweiten Kampagne Schall und Wahn.“ Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg

Wie jedes Jahr mobilisiert – trotz aller Kritik – ein ‚bundesweites Bündnis‘ gegen den „größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands“, darunter macht man es nicht. Rund tausend Demonstranten, mehr oder weniger instruiert vom Iran, werden in der Mitte Berlins erwartet. Im letzten Jahr stellte die association antiallemande nach einem Selbstversuch im antifaschistischen Anti-Alquds Bündnis völlig zurecht fest: „Wem es aber ernst ist damit, den antisemitischen Mobs zu begegnen, der wird darüber reden MÜSSEN, was in der Al-Nur Moschee gepredigt wird – der wird darüber reden MÜSSEN, wie und warum die muslimischen Communities sich zunehmend radikalisieren und der wird nicht zuletzt endlich sich eine materialistische und rückhaltlose Islamkritik aneignen MÜSSEN“. (1)

Zu dieser Einsicht kamen die Genossen, nachdem sie erleben mussten, dass es diesem Bündnis nicht für möglich erschien, Islam zu sagen ohne gleichzeitig Islamophobie zu sekundieren und dass man sich dort, statt auf den Antisemitismus des islamistischen Mob auf der Straße, lieber auf Jürgen Elsässer und andere politische Randgestalten konzentriert. Womit – ob bewusst oder nicht – jene antideutschen Antifaschisten, die beherzt diesem alljährlich stattfindenden Treiben entgegentreten, die weltoffene Bundesrepublik Deutschland, welche erfolgreich ihre ‚Lehren aus der Vergangenheit‘ gezogen hat, repräsentieren, anstatt – wie proklamiert – die deutschen Verhältnissen zu denunzieren.

Kein Wort über den grassierenden Antisemitismus, den Hass auf Israel in diesem Lande und die ständig schwindende Gegenwehr. Als Beispiel: Keine zehn Kilometer entfernt vom Demonstrationsort befindet sich in Steglitz die Treitschkestraße (2), deren Umbenennung am Widerstand der örtlichen Bevölkerung sowie einer Koalition von CDU und Bündnis 90/Die Grünen scheiterte (3). Ein Skandal? Keineswegs. „Antisemitismus war immer zunächst ein Phänomen der Gebildeten. Er ging von den Schreibtischen der Gelehrten aus, von den Theologen und Hofpredigern, von Philosophen, Juristen und Journalisten“ (4). Also genau jenem Milieu, welches heutzutage hauptsächlich von den Grünen repräsentiert wird und aus dessen Gebärmüttern die Organisatoren der Gegenaktivitäten zum Al-Quds-Marsch zumeist entstammen.

Wissen sie nicht, was sie tun?

Khomeinis Anspruch, den alQuds-Tag als sogenannten „Revolutionsexport“ in die gesamte Welt zu tragen, um der islamistischen Utopie einer „Weltgemeinschaft der Muslime“ (Umma) näher zu kommen, wurde mit der Etablierung des Aufmarschs u.a. in den USA, Großbritannien und Deutschland zwar vorangetrieben, glücklicherweise jedoch nie dem Anspruch nach erreicht. Dennoch ist dieser Massenaufmarsch, an dem sich seit 36 Jahren weltweit Millionen Personen beteiligen, als globales Phänomen zu verstehen und bleibt nicht auf Iran beschränkt.“ Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag, 2015

Selbstverständlich ist das Atomprogramm des Iran eine Gefahr für die Sicherheit Israels und seiner Nachbarn, aber die alljährliche Al-Quds-Demonstration in Berlin ist es ganz bestimmt nicht. Dies gestehen sich die Organisatoren sogar selbst ein. Das iranische Unterfangen, eine globale Allianz aller muslimischen Glaubensrichtungen gegen die sunnitischen Konkurrenten, zu etablieren ist längst gescheitert. Spätestens seit dem sich im Jemen, dem Irak oder in Syrien Sunniten und Schiiten gegenseitig an die Gurgel gehen, ist der Traum der vom Iran dominierten „Weltgemeinschaft der Muslime“ – regional und global – endgültig ausgeträumt.

Im Nahen Osten findet stattdessen ein Wettlauf um neue Bündnispartner statt, zum Teil jenseits der üblichen Pfade. Rußland, Iran, China und Israel sind dabei die wichtigsten Player. Während sich zarte Bande zwischen Israel und einigen sunnitischen Ländern der Region entwickeln, forciert insbesondere Rußland wirtschaftlich, politisch und militärisch seine Unterstützung des Irans und dessen Verbündeter. Die deutsche Wirtschaft hat dabei zunächst das Nachsehen. Damit sich dies bald ändert, setzt vor allem die deutsche Delegation in Wien all ihre Bemühungen darauf, die Sanktionen endlich zu beenden. „Die großen Dax-Unternehmen scharren schon mit den Hufen“, beschreibt Michael Tockuss, Vorstand der deutsch-iranischen Handelskammer, die derzeitigen Situation äußerst treffend. Vom Iran gesteuerte antisemitische Demonstranten die durch die deutsche Hauptstadt marschieren, sind deshalb wenig hilfreich – weder für die Mullahs, noch die deutsche Wirtschaft. Umso erfreulicher für beide, dass in Deutschland eine vielfältige ‚Zivilgesellschaft‘ gegen dieses antizionistische Treiben aufbegehrt.

Deutschland war für den Iran ein extrem wichtiger Handelspartner. Wenn die aktuellen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm dazu führen, dass die Sanktionen gegen das Regime in Teheran gelockert oder ganz aufgehoben werden, profitieren selbstverständlich deutsche Unternehmen davon, aber an erster Stelle die Machthaber in Teheran. Auf der Verliererseite steht dann – neben der Opposition im Iran und jenen Menschen, die im Jemen, Irak, Syrien und Libanon unter vom Iran unterstützen Hilfstruppen leiden – vor allem Israel. Hier liegt die Gefahr und nicht in einer Demonstration am Al Quds-Tag.

Ein Beispiel für die engen Bande zwischen iranischer und deutscher Wirtschaft ist der 1934 gegründete Nah- und Mittelost-Verein e.V. (NUMOV). Diese Vereinigung ist in Deutschland eine der wichtigsten Zusammenschlüsse zur Förderung des deutsch-iranischen Handels. Im Vorstand sitzen Vertreter vieler deutscher Großunternehmen. Ehrenvorsitzender ist Gerhard Schröder, der sich seit Jahren gegen Sanktionen und für den Ausbau des Handels mit der Islamischen Republik Iran ausspricht. Anstatt einmal im Jahr gegen den Al-Quds-Tag zu demonstrieren, gilt es die deutsche Wirtschaft und ihre Lobbyisten, die seit Jahren für ein Ende der Sanktionen plädieren, endlich aufs Korn zu nehmen.

Antideutsche Aktion Berlin im Juli 2015

Anmerkungen:

(1) Es konnte kein Konsens erreicht werden, association antiallemande Berlin
(2) Die Juden sind unser Unglück, Uffa Jensen, Die Zeit
(3) Anwohner stimmen gegen Umbenennung der Treitschkestraße, Cay Dobberke, Der Tagesspiegel
(4) Der gebildete Antisemit, Joachim Frank, Frankfurter Rundschau

Den Pudding an die Wand nageln.

Bitte hier – je nach persönlicher Vorliebe – das obligatorische Zitat von Theodor W. Adorno einsetzen.Theodor W. Adorno

Es ist Montagabend, im Fernsehen jagen amerikanische Ermittler-Teams, mit allen technischen Raffinessen ausgerüstet, im tausendsten Fall den fiesen Mörder. Draußen ist es dunkel und kalt. Frühling in Deutschland. Irgendwo am Horizont brennt ein gerade eröffnetes Flüchtlingsheim. In den Nachrichten erzählen ahnungslose Krawattenträger etwas von einer erneuten Katastrophe im Mittelmeer. Es folgt, selbstverständlich, das Wetter. Auf der Straße halluzinieren sich wieder einige Tausende als völkische Massenbewegung. Die Antifa GmbH hält, ganz im Sinne des neuen Deutschland, fest dagegen. In der »Anstalt« schauspielert man am Tag darauf derweil beflissentlich Betroffenheit. Was genau spricht eigentlich nochmal gegen den Rückzug ins Private?

Während man dieser unerträglichen Scharade zusieht, wächst allerdings mit jeder Minute die innere Zerrissenheit zwischen Apathie, Ohnmacht und Wut. Diese Gräben lassen sich kurzfristig überbrücken, mit den unterschiedlichsten Drogen, unermüdlicher Arbeit oder der Organisation von wahnsinnig vielen politischen Aktionen. Aber am Ende steht einem trotzdem der Rhein bis zum Hals. Weil einem entweder der Frust über die eigene Bedeutungslosigkeit, der überbordende Zynismus oder die Drogen immer mehr zusetzen. Das Ergebnis ist fast immer gleich: die endgültige Aufgabe, das Erlahmen des Widerstandes gegen den eigenen Wahnsinn. Die Qual der Wahl fällt allerhöchstens noch schwer, wenn hinsichtlich der Abendunterhaltung zwischen »Navy CIS« oder »Big Bang Theory« entschieden werden muss. Denn als Menschen ohne Eigenschaften vegetieren viele lieber langsam vor sich hin, statt endlich die geballte Faust aus der Tasche zu nehmen und in das Gesicht zu schlagen, das es längst verdient hat.

Letzten Endes gerinnen persönliche Ansichten ebenso wie der distanzierte Zynismus zu einer verhärteten Identität, die keines politischen Ausdrucks mehr bedarf. Wiederkehrende Rituale antideutscher Antifaschisten, wie Partys am 8. Mai oder regelmäßig stattfindende Vorträge und Diskussionsveranstaltungen, mutieren zu sozialen Events, bei denen man alte Genossen wiedertrifft und das eigene Bild vom aufrechten Antideutschen pflegt. Proteste, wie zuletzt in Berlin gegen eine Veranstaltung des der Hamas nahe stehenden Palestinian Return Center, bedienen das individuelle Bedürfnis, ab und zu öffentlich und im wahrsten Sinne des Wortes »Flagge zu zeigen«. Dabei reicht es völlig, dass der »Feind« sich ein wenig ärgert. Eine kontinuierliche Kritik an den deutschen Verhältnissen ist jenseits der antideutschen Publizistik kaum noch existent. Deshalb braucht es neue Impulse, ansonsten wird jegliche politische Aktivität auf sozialen Mehrwert reduziert. Und die letzten antideutschen Zusammenhänge verkommen zum netten Dienstleister dieses kurzweiligen Vergnügens.

Unter dem Pflaster liegt nur Sand … #realität.

Stellen wir also fest: Antideutsche Politik steckt heute in einer Sackgasse. Aus dieser verzwickten Lage gelingt der Ausbruch nur durch einen beherzten Sprung nach vorn. Es gilt, endlich raus aus der Israel-Fahnen-Anti-al-Quds-Bomber-Harris-Ecke zu kommen. Das Immerwiedergleiche gehört schleunigst eingemottet. Mit der schier endlosen Wiederholung ein- und desselben Spektakels wird letztlich nur das Bedürfnis nach Sicherheit und Selbstvergewisserung bedient. Dabei sind Interventionen gegen den deutschen Alltag notwendiger denn je. Aber bitte nicht mehr so wie bisher! Deshalb hier als allerletzte Durchsage: Es ist mehr als nur zynisch, wenn man gesellschaftliche Widersprüche im postmodernen Kapitalismus sowie die zunehmende Barbarei in den vom Weltmarkt abgehängten Gebieten unter Zuhilfenahme von Katzenbildern oder mittels bunter Einhornmontagen inklusive Davidstern kommentiert.

Wenn antideutsche Inhalte mit den hinlänglich bekannten Symbolen verziert sind, finden sie ausschließlich begeisterte Abnehmer im eigenen Dunstkreis. Nicht nur aus diesem Grund ist anti-deutsche Politik in den vergangenen Jahren zwischen NGOs, Facebook-Gruppen und Universitätsseminaren komplett hängengeblieben. Organisatorisch und inhaltlich in die Defensive gedrängt, mutiert dementsprechend jede spontan organisierte Reaktion zu einer Zurschaustellung des Immerselben. Um dieser eintönigen Tristesse zu entkommen, ließen sich einige im vergangenen Sommer sogar dazu hinreißen, gemeinsam mit mit den Antiimperialisten von »ARAB« über die MLPD bis hin zu »zusammen Kämpfen« für den »kurdischen Widerstand« auf die Straße zu gehen. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, hilft nur eine Neuausrichtung, selbstverständlich ohne Aufgabe unserer Kritik an den deutschen Verhältnissen, sowie eine Organisierungsdebatte, zumindest der Organisierung einer Diskussion um die strategische Ausrichtung.

Dabei gilt es, zuerst einmal festzuhalten, was unser großes Faustpfand ist: Antideutsche sind als Feind aller Authochtonen, ob rechts, links oder politisch neutral, wahrlich bekannt. Aber in der Öffentlichkeit haben die Antideutschen ihren Exotenbonus aufgebraucht, außer in der Provinz. Dort ist das Schreckgespenst von den widerspenstigen Volksfeinden immer noch äußerst lebendig. Trotzdem sollte jedem endlich klar werden: Das Immer-wieder-Gleiche führt zu den immer wieder gleichen Reaktionen. In unserem Fall bedeutet das konkret, je öfter die Wiederholung, desto geringer der Erkenntnisgewinn oder die Verärgerung bei den potentiellen Adressaten. Die meisten deutschen Linken sind größtenteils immun gegen die üblichen antideutschen Phrasen, was aus einem jahrelangem Gewöhnungseffekt resultiert.

Einstmals kritisch gemeinte Interventionen treffen auf automatisierte Abwehrreflexe. Dieses langweilige Trauerspiel dient einzig und allein der Aufrechterhaltung der eigenen Identität, am Besten weiträumig von der Polizei abgesichert, was am Beispiel der Proteste gegen den al-Quds-Tag jedes Jahr vortrefflich zu beobachten ist.

Anstatt Deutschland zum Beispiel in Torgau, Coburg oder Tröglitz zu denunzieren, wird der gute Ruf der Berliner Republik mitten im Herzen der Hauptstadt verteidigt. Gegen den »größten antisemitischen Aufmarsch«, maximal 1 500 Teilnehmer in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern, werden monatelang die letzten Reste der Szene mobilisiert. Dazu müssen die Organisatoren einige hundert Demonstranten zu einer relevanten Gefahr für Israel, beziehungsweise die hier lebenden Juden, wider besseren Wissens stilisieren. Erfolgreiche Anschläge auf Einrichtungen des jüdischen Lebens beziehungsweise die Meinungsfreiheit in Europa gingen in den letzten Jahren allerdings nicht von schiitischen Antizionisten aus, sondern von sunnitischen Salafisten. Deren organisatorische Schwerpunkte in Berlin sind die Al-Nur-Moschee in Neukölln sowie die As-Sahaba-Moschee im Wedding. Wäre es nicht angebrachter – in Solidarität mit den vom Islamischen Staat bedrohten Menschen weltweit – an diesen Orten zu demonstrieren?

Nach den neuesten Erkenntnissen haben in diesem Land 48 Prozent keine gute Meinung von Israel, bei den 18- bis 29jährigen sind es sogar 54 Prozent. Die israelische Regierung schneidet bekanntlich noch schlechter ab, 62 Prozent der Deutschen bewerten sie negativ. Statistisch gesehen marschieren demzufolge an einem ganz normalen Samstag auf dem Berliner Kurfürstendamm oder im Offenbacher Fußballstadion mehr Antisemiten und Israel-Hasser auf als bei jeder al-Quds Demonstration. Doch selbst solche offensichtlichen Tatsachen werden die Identitären nicht davon abhalten, ihr alljährliches Ritual aufrechtzuerhalten. Ganz im Sinne eines weltoffenen Berlin.

Theorie. Organisation. Praxis! #adab

Es war einmal eine Stärke der Antideutschen, dass sie die unterschiedlichsten Ausdrucksformen deutscher Ideologie nicht nur in Publikationen scharfzüngig denunzierten, sondern dass es ihnen auch gelegentlich gelang, öffentlich wirksam den Finger in die Wunde zu legen.

Wie vor 25 Jahren in Frankfurt am Main. Ziel antideutscher Kritik und Organisation muss auch heute sein, jenseits von Hochschulgruppen, Klamauk und Zeitschriften noch die Waffen der Kritik ins Feld zu führen. Dabei ist nicht nur Kreativität gefragt. Wenn man den Augsteins, Knopps und Max Mustermanns dieses Landes aufs Dach steigen will, dann sind ein Stapel Zeitschriften dafür einfach nicht genug.

Die Reeducation als Praxis, auf die sich Kritische Theorie im Nachkriegsdeutschland spezialisierte, wurde von kleinen, verschworenen Kadergruppen gegen das »Volk williger Knechte, Denunzianten und Zutreiber« vorangetrieben, wie Lars Quadfasel völlig zu Recht in dieser Zeitung feststellte (Jungle World 21/13).

Machen wir uns also nichts vor: Die Chancen standen noch nie besonders gut. Doch das Elend – denn nichts anderes ist diese Melange aus identitärem Gehabe und Zynismus –, das sich in anti-deutschen Kreisen seit geraumer Zeit breitgemacht hat, trägt ein Übriges dazu bei. Endlich wieder den Pudding an die Wand zu nageln, die letzten Reste der vernunftbegabten Antideutschen zu organisieren, ist die Aufgabe, der wir uns derzeit stellen müssen. Nur so ist es möglich, erfolgreiche Interventionen in den deutschen Alltag, wie zuletzt in Tröglitz, zu organisieren.

Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015

Willkommen im Berliner Zoo

English version see below.

Der Zoologische Garten ist der älteste Zoo Deutschlands und zugleich der artenreichste der Welt. Seine gesamte Geschichte über war er eine der größten Attraktionen Berlins und genoss weit über die Stadt hinaus einen guten Ruf. An diesem Erfolg hatten insbesondere die Berliner Juden einen großen Anteil: Von den 4000 Aktionären der Zoologischer Garten Berlin AG waren vor dem Nationalsozialismus 1500 Juden. Mit der Arisierung war es ihnen ab 1938 nicht mehr möglich, ihre Aktien zu vererben oder weiterzuverkaufen – sie konnten sie lediglich zu Schleuderpreisen dem Zoo übertragen. Ihnen war es ab diesem Jahr auch verboten, den Zoo zu betreten.

Wie so viele andere deutsche Unternehmen hat auch der Zoo lange gewartet, zu diesem Teil seiner Geschichte Stellung zu beziehen. Die kläglichen Versuche des Zoos, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, kamen außerdem viel zu spät und beliefen sich auf eine Gedenktafel am Antilopenhaus und ein zum Thema erschienenes Buch über den Zoo im NS, das vom Zoo mitfinanziert wurde. Dieses Buch von Monica Schmidt, das auf einer 2001 in Auftrag gegebenen Studie basiert, macht deutlich, dass der Zoo seine jüdischen Aktionäre aus freien Stücken aus ihrer Position verdrängte. Es hätte zum Anlass genommen werden können, sich weiter mit dem Thema zu befassen, stattdessen war für Andreas Knierim, Chef des Zoos, mit Erscheinen des Buches das Thema wohl erledigt. In seiner Rede anlässlich der Verlegung eines Stolpersteins in Wilmersdorf für die Tochter jüdischer Anteilseigner erwähnte Knierim den Nationalsozialismus nicht einmal; er erzählte lediglich davon, wie sehr Hilde Singer den Zoo geliebt habe. Kein Wort darüber, dass diese Liebe mit der Arisierung des Zoos endete, kein Wort darüber, dass ihre Familie in Auschwitz ermordet wurde.

In der BRD hat es mittlerweile Tradition, zu diesem Thema pathetische Reden zu halten und sich in Bekenntnissen über die deutsche Schuld an der Shoah zu übertreffen. Doch all das wohlfeile Gerede von Verantwortung führt selten zu materieller Entschädigung. Solcherlei Forderungen werden schulterzuckend abgetan. Angefangen bei den viel zu niedrigen „Wiedergutmachungszahlungen“ der jungen Bundesrepublik an Israel, die wohlgemerkt aus politischem Kalkül und nicht aus einem schlechten Gewissen heraus geleistet wurden, mussten sich viele Opfer des deutschen Vernichtungswahns, wenn überhaupt, mit heuchlerischen Gesten und symbolischen Beträgen begnügen, was bei den Feiern zum 50. Jahrestags der israelisch-deutschen Beziehungen gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Man will sich den Stolz auf die eigene Aufarbeitungsleistung nicht verderben lassen durch das schnöde Geld, an dem es vielen der noch lebenden Holocaustüberlebenden mangelt. Man baut damit lieber Denkmäler.

Es gibt keine Wiedergutmachung für die Shoah, aber das darf keine Entschuldigung dafür sein, nicht einmal einen materiellen Ausgleich zu schaffen: Die Nachfahren der jüdischen Anteilseigner haben bis heute nichts von den Investitionen ihrer Eltern und Großeltern in den Zoo gesehen, diesbezügliche Anfragen an den Zoo wurden abgeblockt.

Wir fordern, dass die Zoologischer Garten Berlin AG und das an ihr beteiligte Land Berlin die Nachfahren der rechtmäßigen Anteilseigner ausfindig macht und ihnen eine angemessene Entschädigung zahlt – samt dem Wertzuwachs, den die Aktie durchlaufen hat. Momentan ist die Aktie etwa 4000€ wert, mindestens diese Summe wäre also angemessen. Für ein millionenschweres Unternehmen wie den Zoo sollte das kein Problem darstellen.


Welcome to the Berlin Zoo

The Berlin Zoo is Germany’s oldest zoo and it offers the largest variety of species worldwide. From its opening in 1844 until today it was one of the biggest attractions in the city and the region. Jews in Berlin had a great deal to do with this success: 1500 of its 4000 shareholders before National Socialism were Jews. When the „Aryanization“ started in the 30’s, Jews were forbidden to pass on their shares. They were also not allowed to sell their shares to anyone except to the zoo. From 1938 they were banned from entering the zoo altogether.

Like many German companies, it took the zoo far too long to even comment on this part of their history. The pathetic attempts to deal with this topic amounted to a commemorative sign put up at the „Antilopenhaus“ and a book about the Zoo during NS, co-financed by the zoo. This book by Monica Schmidt shows that the zoo deliberately pushed Jews out.
It could have been a start for a debate about the Berlin Zoo during Nazism. Instead, the director of the zoo Andreas Knierim seems to think that there is nothing more to say. In his speech at the inauguration of a memorial stone („Stolperstein“) for Hilde Singer, daughter and niece of Jewish shareholders, he didn‘t even mention National Socialism, nor did he talk about them having been murdered in Auschwitz. His only topic was Hilde’s love for the zoo. Not a word on how that love was brutally ended with German extermination politics, as were the lives of her family.

Traditionally, Germans excel in giving dramatic speeches on their „historic responsibility“ because of the Holocaust. But all this cheap talk almost never leads to material compensation or support. Demands of this kind are usually just shrugged off. The insubstantial „reparations“ to Israel, that were as a matter of fact agreed to by Germany out of economic considerations, not out of a true bad conscience, are just one example. Many of the German’s victims received nothing but hypocritical sermons or symbolic payments, if any. This tends to be forgotten in the celebrations taking place this year, marking 50 years of diplomatic relations with Israel. It would just spoil all the self-congratulation to talk about vile money. The money is rather used to build yet another memorial instead of supporting the last remaining Survivors, many of whom are in need.

There can be no atonement for the Holocaust, but that is not an excuse for the refusal to financially compensate the victims: Jewish shareholders of the zoo have not seen a coin of the money their parents and grandparents invested. The zoo has until today blocked any attempts do deal with their claims.

We request the „Zoologischer Garten Berlin AG“ and the state of Berlin to find the remaining rightful shareholders and their descendants to pay them an appropriate reimbursement, including the capital gain of the shares. A sum of at least 4000€ seems appropriate, which is the approximate value of the shares today. This shouldn‘t pose a problem for a business worth millions like the Berlin Zoo.

Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015

Der Hauptfeind ist das eigene Land!

Antideutsche Demonstration im Rahmen der 70years-Kampagne
am Samstag den 25. April 2015 um 14:00 Uhr
Treffpunkt ist vor dem Hauptbahnhof Torgau

Es ist unfassbar: 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Deutschland eine Weltmacht. Die versäumte Umsetzung des Morgenthau-Plans konfrontiert die internationale Weltgemeinschaft in den letzten beiden Jahrzehnten mit einem wiedererstarkten Deutschland, dass aus seinen historischen »Fehlern« gelernt hat. Die militärische Option wurde weitestgehend ad acta gelegt. Stattdessen setzten die deutschen Eliten, im Windschatten des militärischen Schutzes durch die westlichen Alliierten, langfristig auf das »deutsche Wirtschaftswunder«. Das Resultat ist, dass das eigentlich besiegte Land ökonomisch gesehen – ganz im Gegensatz zu Großbritannien oder Frankreich – erstarkt aus der militärischen Niederlage hervorgegangen ist.

Dieses Vorgehensweise, leicht modifiziert, funktioniert noch bis heute. Die neuste deutsche Militärtechnologie findet man eher in den Händen von mexikanischen Sicherheitsbehörden oder arabischen Armeen, als im Depot der deutschen Bundeswehr. Wenn es in der Welt brennt, winkt Berlin gelangweilt ab und schaut erwartungsvoll über den Atlantik, zumindest gen Westen. Ob in Syrien, Irak, Jemen oder Nigeria, gegen die islamistische Barbarei sollen sich bitte andere aktiv engagieren. »Niemals wieder« bedeutet hierzulande trotz und wegen Auschwitz keinen Finger für das verfolgte Individuum krumm zu machen. Selbst dann nicht, wenn es die Tortur in seinem Heimatland sowie die anstrengende Flucht überlebt und bis vor die Haustür der Deutschen geschafft hat.

Der Wiederaufbau und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile, dass so genannte »Nation Building«, sind dagegen Deutschlands absolutes Steckenpferd. Deswegen reüssiert das Land auf der Weltbühne. Im internationalen Kampf um Rohstoffe, Marktanteile und Handelswege will die deutsche Wirtschaft langfristig vorne mitspielen. Das Image als Friedensmacht ist dabei für die Geschäfte nicht unerheblich. In knallharter Konkurrenz zu den USA, verkauften deutschen Firmen Komponenten zur Herstellung von Giftgas an jegliche »Schurkenstaaten«. Etwas Werbung in eigener Sache kann da nicht schaden. So tanzt der sozialdemokratische Wirtschaftsminister bereitwillig nach der Pfeife arabischer Emire und nicht nur in China fällt die Frage nach den grundlegendsten Menschenrechte unter den Verhandlungstisch. Im Kampf um den Exportweltmeistertitel ist dem Subjekt Staatskapital fast jedes Mittel Recht. Auch ein fauler Kompromiss im »Atom-Streit« mit dem Iran.

#stickthefingertogermany

Weder die Reeducation, noch der verordnete Antifaschismus haben nachhaltig etwas in diesem Land bewirkt. Wie rudimentär das Demokratieverständnis der deutschen Bevölkerung ist, offenbart sich immer dann am deutlichsten, wenn in einem anderen Land eine Partei die demokratischen Wahlen gewinnt, dessen politisches Programm den nationalen Interessen, beziehungsweise deutschen Befindlichkeiten, widerstrebt. Das trifft derzeit auf die neue Regierung in Athen zu, ebenso wie jene in Jerusalem. Während im deutschen Blätterwald dann reklamiert, protestiert und randaliert wird, bekunden auf dem diplomatischen Parkett die Deutschen ihre große Besorgnis über die zukünftige Entwicklung. An klugen Ratschlägen und harten Bandagen mangelt es dabei nicht. Nichts desto trotz, sondern gerade weil man zwei Weltkriege angezettelt hat. Vom Holocaust ganz zu Schweigen.

Der Vergangenheitsbewältigungsweltmeister ist derart dreist, dass berechtigte Forderungen nach Entschädigungen und Reparationszahlungen jahrzehntelang negiert und zum Teil bis heute noch nicht geleistet wurden. Die derzeitige Bundesregierung behauptet allen Ernstes, weil bisher noch kein Friedensvertrag unterzeichnet sei, müsse man z.B. die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Griechenland nicht leisten. Währenddessen ist Adolf Hitler ein weltweiter Exportschlager, als Marke mindestens genauso bekannt wie Coca-Cola, das Holocaust-Mahnmal in Berlin eine beliebte touristische Vergnügungsstätte und bald eines der beliebtesten Bücher dieses Landes, nein der Welt, wieder legal im Handel erhältlich: »Mein Kampf«.

Das ökonomische Erfolgsmodell Deutschland beruht auf einem autoritären Korporatismus, der u.a. für die notwendige Flexibilität der hierzulande angestellten Arbeitskraftbehälter sorgt. Nullrunden als gemeinschaftlicher Akt zur Rettung von Arbeitsplätzen, dank Überidentifizierung mit der eigenen Firma oder »freiwillige«, unentgeltliche Überstunden, wenn es mal nicht so gut im Betrieb läuft, sind für den deutschen Arbeiter selbstverständlich. Kleinere Gewerkschaften müssen hierzulande um ihre Existenz bangen, weil sie es gewagt hatten, ihr verbrieftes Recht auf einen legalen Arbeitskampf in Anspruch zu nehmen und den deutschen Volkszorn zu oft hervorriefen. Nicht zu vergessen, der rundum erneuerte Reichsarbeitsdienst, besser bekannt unter dem Namen »Ein-Euro-Job«.

Angela Merkel gefällt das.

Die neue Sehnsucht der deutschen Volksgemeinschaft nach den guten alten Zeiten findet ebenfalls in der modernen Form der nationalsozialistischen Familienpolitik, wonach Frauen an Heim und Herd gehören, sowie unzählige Kinder für die Volksgemeinschaft gebären sollen, wie dem »Müttergeld«, seinen Ausdruck. In Berlin-Mitte ist dieser »Backlash« daran zu erkennen, dass längst als ausgestorben geltende Vornamen auf einmal wieder in Mode kommen. Der dazugehörige Kinderwagen von Oma ist ein »must-have«, weil ohne Plastik, nicht aus Amerika und immer noch gut in Schuss. Gefüttert wird das Balg natürlich mit Lebensmittel ohne Gentechnik. Ein arischer Bub, braucht keine amerikanischen Bohnen. Die Ablehnung des Freihandelsabkommens TTIP bekommt man nicht nur in solchen Kiezen mit der Muttermilch indoktriniert.

Im Fernsehen bedauert die ganzen Nation die Opfer des zweiten Weltkrieges, wozu für sie zweifelsohne beinahe alle Deutschen gehören. Die Tatsache, dass eine rechtsterroristische Vereinigung, ungestört, zehn Jahre lang im Land morden konnte, ist den meisten Mitgliedern dieses erbarmungslosen Rackets dagegen völlig egal. Nationalsozialisten sind bzw. waren immer die Anderen. Grauenvolle Schmonzetten wie »Unsere Väter, unsere Mütter«, in denen „die keuschen, opferbereiten Arier, der Leutnant und die Krankenschwester, die Helden der Geschichte“ (New York Times – Chefkritiker B.O. Scott) sind, erreichen selbstverständlich hohe Einschaltquoten. Quacksalber wie Guido Knopp, gelten nicht nur im wissenschaftlichen Betrieb als ernstzunehmende Historiker. Und der Umstand, dass der ehemalige Wehrmachtssoldat Helmut Schmidt oder das ehemalige SS-Mitglied Günther Grass als große Intellektuelle dieses Landes gelten, erregt ebenso keinen öffentlichen Widerspruch.

Opposition in solchen Zeiten gleicht der Arbeit von Sysiphus. Die Lage ist verzweifelt, beinahe ausweglos. Allein die Erinnerung daran, dass Nazi-Deutschland letztendlich dennoch militärisch besiegt wurde, ist heute noch im deutschen Kollektivbewußtsein eine unvergessene Schmach. In diese Wunde wollen wir etwas Salz streuen. Also raus auf die Straße. Auf nach Torgau! Feiern wir am Elbe-Day, an dem Tag als die sowjetischen und amerikanischen Soldaten das erste Mal aufeinandertrafen, die Besetzung von Deutschland.

Im Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus.
Deutschland in den Rücken fallen!

/////////// Achtet auf weitere Ankündigungen. ///////////

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Zur Demonstration rufen auf:

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB]
Antifa Task Force [ATF] Jena
association [belle vie] Hannover
Association Progrés Eichsfeld
BAK Shalom der Linksjugend [’solid]
Contre la tristesse Rostock
Freundeskreis der Dialektik Rostock
Gesellschaftskritische Odyssee Halle
Linksjugend Sachsen
Linksjugend [’solid] Osnabrück