Archiv der Kategorie 'Copy & Waste'

Vom Teufel und vom Beelzebub

Deutschland zeigt sich in diesen Tagen wieder in all seiner Hässlichkeit. Wie Björn Höckes Rede in Dresden eindrucksvoll beweist, war es richtig im Mai letzten Jahres den Höcke-Sumpf in Bornhagen „Straight to hell“ zu wünschen. So weit, so schlecht.

Nur einen Tag später wird jedem, dem noch etwas an der Kritik der deutschen Verhältnisse liegt, eindrucksvoll bewusstgemacht, dass in Deutschland das Gegenteil von etwas Schlechtem nicht zwangsläufig das Bessere ist. Es hagelte Anzeigen verschiedener Personen und Politiker wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Höcke. Unabhängig davon, ob dies juristisch nun der Fall ist oder nicht lohnt sich ein Blick auf so manche, die sich jetzt mit einem solchen Schritt versichern auf der richtigen, also der linken und deutschen, Seite zu stehen.

Dazu gehört auch der Autor folgender Zeilen: „Unser Volk war die bereitwilligste Manövriermasse für die Kulturmonopolisten aus den USA. Derart intensiv ist kein Volk in Westeurropa jemals fremdbestimmt worden. (…) Das hier vorliegende Volksliederbuch ist in einer historischen Phase entstanden, die Geschichtsschreiber später wohl einmal als neuen nationalen Aufbruch bezeichnen werden. Der deutsche Wald, die Heimat können sich nur noch auf die Linke verlassen, sei sie nun rot oder grün oder am besten beides.

Zugegeben, das ist schon etwas länger her. Zur Fußball EM 2016 machte sich der Höckekritiker auf, eine Deutschlandfahne an sein Auto anzubringen um ein Zeichen gegen „antideutsche Intoleranz“ zu setzen. Gegenüber Xavier Naidoo, der ja schon mal bei Reichsbürgern singt, sieht er schon einmal eine „antideutsche shitstorm SA“ am Werk. Er selbst bezeichnet sich auch als „glühenden Verschwörungstheoretiker“ und findet, dass man sich auch „mit der Hamas solidarisieren können“ muss. Kurz: Wer braucht schon einen Höcke, wenn man einen Diether Dehm hat.

Doch auch das staatstragende Deutschland in Person von Sigmar Gabriel (SPD) reagiert selbstredend entsetzt. Höckes Statement zu seiner Dresdner Rede liest sich auf seiner Facebook Seite so: „Diese Fähigkeit, sich der eigenen Schuld zu stellen, zeichnet uns Deutsche aus.“ Ebenfalls auf Facebook schreibt Gabriel: „wir Deutschen haben uns mit diesen unvorstellbaren Verbrechen auf eine Art und Weise auseinandergesetzt, die uns auch bei denen Respekt eingebracht hat, denen gegenüber Deutsche schuldig geworden sind.“ Feel the difference.

Gabriel fährt fort und beweist, dass man in Deutschland immer den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will: „Björn Höcke unterstellt, der Umgang mit unserer Nazi-Vergangenheit mache uns klein. Das Gegenteil ist richtig: Dass wir uns unserer Geschichte gestellt, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, war die Voraussetzung dafür, dass Deutschland weltweit respektiert wird. Björn Höcke verachtet das #Deutschland, auf das ich stolz bin. Nie, niemals dürfen wir die Demagogie eines Björn Höcke unwidersprochen lassen. Nicht als Deutsche, schon gar nicht als Sozialdemokraten.

Die Geschichte als „abstraktes Symbol“, als „Anstecknadel und Gesinnungsbrosche“ (Eike Geisel) die Deutschland wieder zu weltweitem Respekt (Sigmar Gabriel) verhilft, ist dabei nur die andere Seite der deutschen Medaille.

Antideutsche Aktion Berlin im Januar 2017

Das Urteil und der Schlußstrich.

Das ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir jemals hatten. Joachim Gauck

Dann ist sozusagen hier, das notwendige, was – in Anführungszeichen – erwartet wurde, erfüllt, und damit finita la comedia.Michael Wolfffsohn

Ein vor über dreißig Jahren eingeleitetes Gerichtsverfahren wegen „Gefangeneneigentumsverwaltung“ endete nach zahllosen Etappen mit einem Richterspruch „im Namen des Volkes“: Oskar Gröning „hat sich schuldig gemacht der Beihilfe zum Mord in 300.000 zusammenhängenden Fällen“. Dieses Urteil stößt medial auf breite Zustimmung. Nebenklagevertreter wie Thomas Walther jubeln sogar: „Das ist wunderbar. Das ist eine Erfüllung juristischer Träume.“ Doch dieses Urteil ist weit mehr. Es ist der nächste Meilenstein auf dem Weg zum endgültigen Schlußstrich.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Frankfurt 1977 ein Ermittlungsverfahren gegen Oskar Gröning eingeleitet hatte, wurde es nach acht Jahren eingestellt. „Nach gründlicher Durcharbeitung der Vorgänge ergibt sich kein zur Erhebung der öffentlichen Klage hinreichender Tatverdacht“, lautete die damalige Begründung. Weitere Argumente für die Einstellung des Verfahrens sollten später dargelegt werden. Doch dazu kam es nie. Im Namen des deutschen Volkes wollte in dieser Zeit niemand den „Buchhalter von Auschwitz“ vor Gericht zerren.

Es brauchte mehrere Jahrzehnte, bis ein Richter, in diesem Fall der Vorsitzende Richter der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg, zu dem Schluß kam, dass „Auschwitz schlicht und ergreifend eine auf die Tötung von Menschen ausgerichtete Maschinerie“ war. Und somit jeder, der daran in irgendeiner Form mitwirkte, sich der Beihilfe zum Mord strafbar machte. Interessant daran ist nicht nur die Frage, warum noch kein Gleisbauer, Lokomotivführer oder Rangiermeister sich vor Gericht verantworten musste, sondern auch, wieso innerhalb von dreißig Jahren sich die Sicht der Dinge derart verändert hat.

Aus der Sicht der Täter.

Der Prozess gegen Gröning hat die ungeheuerlichen Verbrechen greifbar gemacht“, kommentiert Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung das Urteil gegen Oskar Gröning. Wie so oft liegt er auch in diesem Fall falsch. Ungeheuerliche Verbrechen können nicht greifbar, quasi für den alltäglichen Hausgebrauch nutzbar, gemacht werden. Sie sind und bleiben unbegreiflich. Was Prantl wirklich meint, kann man einige Zeilen später lesen: „Es geht und ging nicht um die Höhe der Strafe, es geht und es ging um den Schuldspruch“. Ein Schuldspruch um des Schlußstrichs willen. Ein Schuldspruch der nicht Recht spricht, deshalb ist dem Prantl die Höhe der Strafe egal, sondern der das neue Deutschland frei spricht.

Die Aufarbeitung der ‚Schande Deutschlands‘, juristisch, historisch und politisch ist die Voraussetzung für eine aktivere Rolle Deutschlands in der Welt. Dabei ist nicht von Interesse wie diese Auseinandersetzung stattfindet, allein es reicht, dass sie stattfindet. Genau dies gilt auch für den Prozess. Es war nicht wichtig wie lange Oskar Gröning hinter schwedischen Gardinen verschwinden muss, ob er überhaupt seine Strafe antritt, sondern das er verurteilt wird. Und zwar „im Namen des Volkes“.

Richter Kompisch drückte am Ende des Prozess sogar seine Dankbarkeit aus, dass Oskar Gröning seinen Lebensabend – zumindest teilweise – dem neuen Deutschland opfert. „Insgesamt verdient Ihr Verhalten durchaus Respekt, Herr Gröning“, da er sich dem Verfahren und seiner Verantwortung gestellt habe. „Ich habe die Hoffnung“, so Kompisch, „dass diese Entscheidung für Sie vielleicht ein Schlussstrich unter das Geschehen sein könnte.

Wir dagegen schließen uns Michael Wolffsohn an: „300.000 Märtyrer, drei Jahre, das ist doch in keinem Verhältnis zueinander. Das heißt, wenn ich Gerechtigkeit anstrebe durch ein derartiges Rechtsverfahren, sehe ich keine Gerechtigkeit darin.

Antideutsche Aktion Berlin im August 2015

Endlich Opferstatus.

Deutschlands Tag der Vertriebenen.

Auch ich hatte – zehnjährig – Angst, erschlagen oder erschossen zu werden. Als man Säuglinge aus dem Kinderwagen riss, in die Luft schmiss und wie Tontauben abschoss. Ich kann Ihnen das erzählen. Aber ich kann Ihnen nicht die Geräusche rüberbringen: Die Schreie der Mütter, die Schreie der Kinder und das Lachen der Peiniger.

Deutschland beging am letzten Sonntag den offiziellen »Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung«. Ein Stelldichein der Repräsentanten des Staates lauschte den Ausführungen einer Vertriebenen aus dem Sudetenland. Es ging um die deutschen Vertriebenen nach 1945, aber gleichzeitig ging es auch um die Flüchtlinge von heute.

Zu den Rednern der Veranstaltung zählte auch Bundespräsident Joachim Gauck, der den Anlass folgendermaßen beschreibt: „Zum ersten Mal gedenkt Deutschland an einem offiziellen bundesweiten Gedenktag jener Millionen von Deutschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges zwangsweise ihre Heimat verloren. Zum ersten Mal begeht Deutschland damit auch regierungsamtlich den internationalen Weltflüchtlingstag, wie er vor fünfzehn Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde. Auf eine ganz existenzielle Weise gehören sie nämlich zusammen – die Schicksale von damals und die Schicksale von heute, die Trauer und die Erwartungen von damals und die Ängste und die Zukunftshoffnungen von heute.“ (1)

Nun haben sie ihn also ihren ganz offiziellen bundesweiten Feiertag. Wo es in der Debatte vor vier Jahren zur Charta des Bund der Vertriebenen (BdV) noch hieß „Die Charta lese sich, als habe es Holocaust und Millionen Kriegstote nicht gegeben“(2), wurde am 20. Juni – die Große Koalition macht es möglich – ein Kompromiss mit dem BdV gefunden. Er macht die deutschen Vertriebenen zu dem, was sie schon immer sein wollten: Opfer weltgeschichtlicher Konstellationen, die sie ebenso schwer getroffen haben, wie die Flüchtlinge, die heute aus dem Irak und Eritrea nach Deutschland kommen.

Auf ihre Charta mussten sie dafür verzichten. Sie sei zu „geschichtsblind“ (3) und außerdem handelte es sich bei vielen Unterzeichnern um Nationalsozialisten: Wer hätte das gedacht. Gleichzeitig heißt es in der Zeit: „Der Gedenktag müsse die deutsche Vertreibungsgeschichte in den europäischen Kontext stellen. Das Gedenken müsse auch allen Menschen anderer Nationalität gelten, die damals vertrieben worden seien.“ (3)

Es blieb einem Kommentar der »Zeitung für Deutschland« (FAZ) vorbehalten, auf einen „Verdacht“ zu verweisen, der aufkam, als das „doppelte Gedenken beschlossen wurde“: „Die Erinnerung an die Katastrophe in den ehemaligen deutschen Ostgebieten solle verwässert werden im weltweiten Flüchtlingselend. Mit der Internationalisierung würden die deutschen Schicksale im allgemeinen Bedauern verschwimmen.“ (4) Aber genau so funktioniert das geläuterte Deutschland. Im Handumdrehen werden nicht nur Täter zu Opfern, sondern auch das globale Flüchtlingselend zum moralischen Standortvorteil umgemünzt. Denn so Gauck „Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren so viele Menschen entwurzelt wie augenblicklich“. Oder andersherum: Schlimmer als die vielen Flüchtlinge heute, hat es nur die Deutschen damals getroffen.

Schlußendlich bedankt sich Gauck bei den Ungarn. Dort gibt es einen Nationalen Gedenktag, der an die Vertreibung der Deutschen erinnert. Dass an der ungarisch-serbischen Grenze gerade mit Hilfe Deutschlands eine vier Meter hohe Mauer gegen Flüchtlinge gebaut werden soll, bleibt derweil natürlich unerwähnt.

Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015

Anmerkungen:

(1) Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck, Berlin 20. Juni 2015
(2) Ein fatal falsches Signal, Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2011
(3) SPD gibt bei Vertriebenen-Gedenktag nach, Die Zeit, 3. Dezember 2013
(4) Neuanfang mit den Vertriebenen, FAZ, 21. Juli 2015

Und täglich grüßt das Murmeltier.

Anmerkungen zu einer ständig wiederkehrenden Farce.

Kein Witz: Eine andere, eine solidarische Welt ist möglich – aber sie kann nur auf den Trümmern der alten Ordnung errichtet werden. Fangen wir mit dem Abriss an“ (1), ködert das kommunistische Bündnis …ums Ganze seine zahlreichen Groupies zu einer gemeinsamen Klassenfahrt nach Frankfurt am Main. Die feierliche Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) steht auf dem diesjährigen Parteiprogramm. Anlass für die große revolutionäre Vorfreude ist der Regierungswechsel in Griechenland. „Bemerkenswert ist schließlich, dass Syriza objektiv einen Raum eröffnet hat, den Bewegungen und radikale Linke füllen können, ja füllen müssen – weil er sonst schnell wieder geschlossen sein wird“. Wir halten fest: Die Zeit drängt, weil aus den Wahlen in Griechenland eine „Querfrontregierung“ (2) hervorging. Genau deshalb gilt es für radikale Linke Räume zu füllen! Und wenn es nur der Vorplatz des neuen EZB-Wolkenkratzers bzw. die städtischen Turnhallen in Frankfurt am Main sind.

Wir wollen nur, dass die Menschen, die aus vielen Ländern Europas zu den Blockupy-Protesten anreisen werden, nicht in irgendwelchen Löchern schlafen müssen, sondern ordentlich untergebracht sind. Etwa in städtischen Turnhallen. Beim Evangelischen oder Katholischen Kirchentag, bei allen Turn- und Sängerfesten, kriegt die Stadt Frankfurt das hin“ (3), appelliert der kommode Klassenkämpfer Aaron Bruckmiller von der Interventionistischen Linken (IL) an das »Schweinesystem«, dass dieses doch bitte, bitte Schlafplätze für die anreisenden »Carhartt-Chaoten« zur Verfügung stellen soll. Falls dies nicht geschehe, sehe man sich gezwungen, stattdessen Häuser zu besetzen. Komplett rundet diesen Wahnsinn die Tatsache ab, dass eigens für diesen besonderen Ausflug ein Sonderzug bei der Deutschen Bahn gechartert wurde. Lenins Bonmot, wonach deutsche Revolutionäre eine Bahnsteigkarte kaufen, bevor sie den Bahnhof stürmen, beschrieb einmal eine Trägödie. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heutzutage handelt es sich um die ewig gleiche Wiederholung der Farce.

Es gilt folgende einfache Bauernregel: Wenn die Ohnmacht am größten ist, werfen selbst die unausgeschlafensten Murmeltiere noch einen kleinen Schatten. Diesem Prinzip entsprechend funktioniert die Mobilisierung gegen die Eröffnung der Europäischen Zentralbank. Mit Schirm, Charme und ein wenig Photoshop wird die Generation YOLO für eine Minute Berichterstattung in der Tagesschau mobilisiert. Die danach einsetzende staatliche Repression verspricht weitaus mehr Zeit in Anspruch zu nehmen. Typisch linksradikale Bewegungsarithmetik.

Ausgerechnet für solch einen unbedeutenden Event wird jahrelang eine breite Einheitsfront geschmiedet, die von militanten Anarchoveganern, propalästinensischen Trotzkisten, wertkritischen Feministen, über postmoderne Autonome, unzählige V-Männer, hedonistische Riotclowns bis hin zu fleischfressenden Stalinisten und antideutschen Genossen reicht. Sonst haben sich diese politischen Strömungen selten etwas zu sagen. Am 18. März tauchen sie dann aber gemeinsam im kraftvollen »Black-North-Face-Block« ab und tauschen bereitwillig ihre Individualität gegen ein wenig kollektive Revolutionsromatik ein.

Derweil mutieren die großen Bündnisse …ums Ganze und Interventionistische Linke immer weiter zu Serviceagenturen ihrer erlebnisorientierten Klientel und wegen ihrer marktbeherrschenden Position zwingen sie ihre politischen Konkurrenten, sich ebenfalls in größeren Organisationen zu zentralisieren. Im Widerspruch zur autonomen Praxis sind diese großen Zusammenhänge unflexibler und können nur unzureichend auf aktuelle Ereignisse reagieren. Und das Dilemma der marxistischen Theorie ist, dass „der Marxismus irreparabel zerfallen ist in Plattheit auf der einen Seite und Mystik auf der anderen“ (4). Da kann man noch solange in den Aufrufen tiefgründig theoretisch dünnbrettbohren.

Letzten Endes stellt das ganze, jahrelang vorbereitete, Brimborium in Frankfurt am Main kein großes Problem dar, weder für die Gesellschaft noch für die Protagonisten. Die Demonstranten, bis auf die Erstsemester und die ganz Naiven, wissen um den schnell einsetzenden Kater, den eine solch gewagte Simulation von revolutionären Zeiten im 21. Jahrhundert mit sich bringt. Nach dem Großereigniss geht es nämlich ganz normal weiter. Zurück ins Ikearegal, also in den Lesekreis, während in der Gruppe die Planungen für das nächste Jahr beginnen. Und wenn das alles nicht hilft, flüchtet man sich ins about blank.

Auch die Arbeitgeber sowie Professoren brauchen sich keine Sorgen machen. Sie wissen, manchmal aus eigener Erfahrung, dass ein Adrenalinausflug ins Ungewisse ihrer Untergebenen, ein kalkulierter Ausbruch aus dem Alltag, positive Kräfte für die Arbeit frei setzt. Und in zehn Jahren geht man gemeinsam Bungeespringen. Die Sehnsucht nach der revolutionären Umwälzung, wird dann abgelöst durch die Hoffnung, wenigstens noch das lang ersehnte Ende seiner aktuellen Lieblingsserie zu erleben. Die Revolution entlässt ihre Kinder zu jeder Zeit auf ihre Art…

Antideutsche Aktion Berlin im März 2015


Anmerkungen:

(1) Mit dem Aufhören anfangen, Aufruf des kommunistischen »…ums Ganze!«-Bündnisses gegen die Eröffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt am 18. März 2015
(2) „Luft nach unten“, Rainer Trampert in konkret 03/2015
(3) „Sonst gibt’s Hausbesetzungen“, Interview mit Aaron Bruckmiller in der taz, 04.03.2015
(4) Das allerletzte Gefecht, Wolfgang Pohrt, Edition Tiamat

Den Text findet Ihr auch in der Jungle World…

It ain‘t our style.

Samstagvormittags in Ströbeles Wehrdorf. Zwei kleinere Personengruppen stehen sich in unversöhnlicher Feindschaft gegenüber. Es geht um Israel. Moral liegt in der Luft. Wackere Einzelkämpfer hoffen, unter Zuhilfenahme von schmissig formulierten Flugblättern, das Abschlachten im Nahen Osten zu beenden. Über Syrien natürlich kein Sterbenswörtchen. Auf der anderen Seite – frisch der Disco entschlüpft – die üblichen Verdächtigen. Und wie zu erwarten, es entwickelt sich das altbekannte Reiz-Reaktions-Schema: Israel-Fahne ausgepackt, verbaler Terror ausgelöst. Es bleibt die Erkenntnis: Was den Einen ihr Antizionismus, ist den Anderen ihr Philozionismus.

Ein paar Kilometer weiter sitzt der akademische Nachwuchs und büffelt intellektuellen Bockmist. Es gilt durch Anwesenheit zu glänzen. Besucher wie Referenten eint der Traum von einer Karriere im universitären Bereich. Die Inhalte sind völlig beliebig. Weshalb es auch nicht weiter verwundert, dass offene Räume nur einem eingeschränkten Publikum zugänglich sind. Erkenntnisgewinn dieses Wochenendes: Roswitha Scholz erkennt die doppelte Vergesellschaftung auch bei Männern an. Wir sind gespannt ob die gute Frau die richtige Konsequenz daraus zieht und all ihre Publikationen nachträglich einstampft.

Weder das akademischen Klassentreffen, noch die Fortsetzung des Raves mit anderen Mitteln, sind dazu geeignet „den Erfahrungsgehalt materialistischer und dialektischer Kritik zu entfalten“. Sie sind ein Zeichen dafür, dass man selbst gedächtnis- und wunschlos erstarrt ist. Anstatt sich kritisch zu entfalten, zementiert man nur die eigene Identität. Die Einen als zukünftige Akademiker, und die Anderen als politische Berufskomiker. Und das Beste kommt zum Schluß: Anstatt die eigene Dummheit wenigstens in der Niederlage zu erkennen, wird nun stattdessen laut nach einer besseren Struktur gerufen. Identitäre Narzisten organisieren? Darauf kennen wir nur eine Antwort. Bak Shalom, bitte übernehmen Sie!

Antideutsche Aktion Berlin im Dezember 2013