Archiv für März 2017

Die guten Deutschen gegen Spießer und Pöbel

Eine Veranstaltung der Antideutschen Aktion Berlin
am Donnerstag den 18. Mai 2017 um 19:00 Uhr
in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstr. 42/43, Berlin

In der ARD-Sendung Maischberger vom 08.03.2017 wollte es die Moderatorin ganz genau wissen: „Auf einer Skala von 1-10: Wie geht es den Menschen in Deutschland?“. Nachdem geklärt werden konnte, dass der Skalenwert 10 für die bestmögliche Stimmung steht, eröffnete der in solchen Runden für die gebührende Portion Volkszorn zuständige Oskar Lafontaine mit einer betont griesgrämigen 3, woraufhin Hannelore Kraft von der SPD schon deutlich optimistischer Richtung 7 tendierte und CDU-Vertreter Brinkmann schließlich mit 8-9 zu verstehen gab, dass seine genügsame Gesellschaftsutopie bereits weitgehend verwirklicht ist. Parteien verkörpern Stimmungen. Diejenige, die für die schlechteste steht, war am besagten Abend nicht vertreten. Jedoch braucht man keine Parteioberen beim Stimmungsranking vor laufender Kamera zu sehen, um zu wissen, dass die AfD-Anhängerschaft mit Oskar Lafontaine der Meinung ist, dass es Land und Leuten so miserabel geht, dass dringend Alternativen her müssen. Am besten solche, die dem Bauchgefühl der „kleinen Leute“ entsprechen. Was die Adressaten der AfD abgesehen von ihren Pechsträhnen, ihrem geringen Einfluss und der spärlichen Entlohnung fürs endlose Schuften vereint, ist vor allem das Bewusstsein, dass die Welt ihnen feindlich gesonnen ist und dass es andere sind, die ihnen das große Glück verwehren. Das sehr deutsche Bedürfnis nach Selbstinfantilisierung und konformistischer Rebellion systematisch zu bedienen, ist entscheidender Erfolgsfaktor der AfD, der überdies zugutekommt, dass keineswegs nur Paranoia dazu führt, angesichts der herrschenden Verhältnisse nicht gleich vor Freude auszuflippen.

Lange Zeit galten die jammernden Krethis und Plethis als unantastbar und figurierten als bodenständige Gegenspieler zur Verdorbenheit der Welt. Spätestens mit den Wahlerfolgen der AfD hat sich im Kernland des kleinen Mannes alles verändert. Im Zuge der Dauerbewerbung eines rundum zu erneuernden Deutschlands, für die seit vorletztem Jahr besonders die Flüchtlinge instrumentalisiert werden, ergeht der Appell an alle: Macht mit oder ihr seid draußen. Der allerorten kursierende Vorwurf des „Populismus“ fungiert dabei als das bevorzugte Mittel jener Modernisierungsideologen, die jeden als zurückgebliebenen Störenfried mit miesesten Absichten denunzieren, der keine Lust hat, bei der permanenten Mobilmachung mitzutun. An vorderster Front im Kampf gegen den Populismus stehen Leute, die – um es mit den Worten Ulf Poschardts zu sagen – stets redlich darum bemüht sind, immer „besser, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller“ (Die Welt, 16.1.2017) zu werden und die als Ausgleich fürs trostlose Abgestrampel in allen Lebensbereichen den politisch Inkorrekten und unzureichend Engagierten wenigstens moralisch überlegen sein wollen, um so der Freude teilhaftig zu werden, die sich einstellt, wenn der eigenen Wohlanständigkeit protzig applaudiert werden darf.

Die apokalyptisch gestimmte Aufgeregtheit im Umgang mit der zur faschistischen Gefahr aufgebauschten Gurkentruppe AFD etwa verdrängt die Tatsache, dass diese in vielerlei Hinsicht eine Partei ist, die nur Ansichten und Sprüche radikalisiert, die in den anderen Parteien nur etwas weniger aggressiv formuliert werden. Schlagender Beweis dafür ist, dass es dem sozialdemokratischen Sonnenkönig Martin Schulz mit seiner bräsigen Leutseligkeit, die ihm dem Charme einer überspitzt dargestellten betriebsratsnahen Abteilungsleiterkarikatur aus der Serie Stromberg verleiht, problemlos gelingt, Wähler, die zeitweilig auf die Irrwege der AfD geraten sind, wieder zurück auf den eingetrampelten Pfad der Demokratie zu lotsen.
Was tut die radikale Linke angesichts des Dauerfeuers gegen Abgehängte? Sie mischt mit und sammelt sich hinter Parolen wie „Globalismus für alle!“, was gleichsam „Fuck the Locals!“ (Jungle World, 17.11.2016) heißt, und die, wenn man das obligatorische Emanzipationsgeschwafel abzieht, so klingen wie damals zu Beginn der Globalisierung, als Unternehmenssprecher die Belegschaft auf die sogenannten Herausforderungen, also Fährnisse des Weltmarkts einschworen. Mit der gleichen Hemmungslosigkeit, mit der die Linken vor gar nicht allzu langer Zeit auf den „Traumpfaden der Weltrevolution“ (Koenen) wandelten, sich zum Anführer eines Weltproletariats phantasierten, machen sie heute beim Eindreschen auf die Modernisierungsverweigerer mit und hübschen ihr Ressentiment gegen die Derangierten zum entbehrungsreichen und mutig tabubrecherischen antifaschistischen Kampf auf.

Der Referent David Schneider schreibt regelmässig für die Zeitschrift Bahamas.

Drei Groschen, Junge?

Der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber effektives Stroh gedroschen wird.Karl Kraus

Wenn das Thema Antideutsche in der Presse auftaucht, dann wird zumeist eine wilde Mischung aus hanebüchenen Vorurteilen und illustren Halbwahrheiten verbreitet. Ob Jakob Augstein, Alan Posener oder Moshe Zuckermann, sie allesamt malen ein Bild von einem neurotischen – sich selbstverständlich selbsthassenden – Antideutschen, dessen Weltbild nur aus den Farben Schwarz sowie Weiß besteht und dessen Horizont einzig auf die spezifisch deutsche Situation begrenzt ist. Dieser Antideutsche dient als vorzüglicher Pappkamerad, für die bürgerlichen ebenso wie für die linken Medien. Auf ihn können sie mit den immer selben Phrasen eindreschen, die Konsumenten applaudieren garantiert artig wie dressierte Affen.

Journalistische Sorgfalt spielt beim Kampf gegen den politischen Gegner aka die antideutschen Volksschädlinge keinerlei Rolle. Es gilt ja schließlich einen Feind zu vernichten, Stichwort: Sexpartys, Bayern München und Kinderzimmer. Da reicht ein einziger Otto völlig aus, um ein Potpourri aus böswilligen Unterstellungen und erfundenen Horrorgeschichten dem völlig entsetzten Publikum zu präsentieren. Eine wilde Safari durch eine halluzinierte Pubertät für die gelangweilten Bildungsbürger. Wir Exoten wirken aber nicht nur fremd. Wir entspringen einer Welt, für die Deutsche einfach keinen Zugang finden wollen. Einer Welt wo Hedonismus kein Schimpfwort, wo Journalismus der Wahrheit verpflichtet und wo das Leben wenigstens ein wenig lebenswert ist.

Normalerweise sind Antideutsche kein Thema in den relevanten Publikationen, außer es dient der deutschen Volkshygiene, eine Art publizistischer Frühjahrsputz, oder wird als gesellschaftliches Initiationsritual und berufliches Sprungbrett missbraucht. So gesehen lieferte der Dreigroschenjunge Mohamed Amjahid mit seinem Artikel im Zeit-Magazin nur die in diesem Land dringend benötigte Gesellenprüfung ab. Und das nicht einmal originell. Die versammelten Vorwürfe sind altbacken, allein die ausschweifenden Sexpartys sorgten für ein paar Lacher bei uns. Bitter dagegen ist die Tatsache, dass der Autor auf seinem privaten Blog – ohne auch nur eine konkrete Quelle zu benennen – den Vorwurf des Rassismus weiterhin ventiliert. Antisemitismus wiederum interessiert Amjahid genauso wenig wie seine autochthonen Kollegen. Weshalb wir die Gelegenheit nutzen wollen um zur erfolgreichen Integration zu gratulieren!

Übrigens, Leo Fischer, die Kritik an der deutschen Ideologie wurde nicht erst vor 30 Jahren in die Welt gesetzt, sondern ein extrem bärtiger Mann schrieb sie vor über 150 Jahren ins Stammbuch der Sozialdemokratie. Dieser Mann heißt Karl Marx.

Antideutsche Aktion Berlin im März 2017