Archiv für November 2016

Syriens Stellvertreter im Krieg.

Keine Bühne für Todenhöfer!

Am 14. November 2016 empfängt der Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung »Der Freitag«, Jakob Augstein, den bekanntesten Propagandisten der mörderischen Assad-Diktatur in Deutschland, Jürgen Todenhöfer, zum Gespräch. Und der öffentlich-rechtliche Sender Radio Eins überträgt das Gespräch unter dem Motto „Syrien, der ewige Stellvertreter-Krieg?“ auch noch im Radio.

Erst vor einigen Wochen wurde von syrischen Aktivisten aufgedeckt, dass der sogenannte Terrorexperte Jürgen Todenhöfer aus Sympathie für Syriens Machthaber Baschar al-Assad ein Interview mit einem Kommandeur der jihadistischen Organisation Jabhat Al Nusra inszeniert hatte. So berichtete nicht nur die syrische Online-Zeitung Zaman al-Wasl, dass der Interviewpartner Todenhöfers ein Fake sei. Abu al-Ezz ist weder Kommandeur der al-Qaida-nahen Al-Nusra-Front, noch gehörte er zu ihrer Nachfolgeorganisation, Fatah al-Scham. Dieses unglaubliche Malheur ändert aber nichts an seinem Status als Experte.

Selbstverständlich. Die deutsche Öffentlichkeit nahm seinen angeblichen Coup begierig auf. In dem Interview bestätigte der angebliche Kommandeur nämlich alle Vorurteile gegenüber den USA und den sunnitischen Staaten, die heutzutage in großen Teilen der deutschen Gesellschaft gepflegt werden.

Lautsprecher deutscher Sehnsüchte.

Jürgen Todenhöfer ist im besten Sinne des Wortes ein deutscher Nahost-Experte. Er ist ständig vor Ort, hat aber keinerlei Ahnung von der Materie und wird deshalb von den deutschen Medien geliebt. Er ist der Lautsprecher deutscher Sehnsüchte.

Noch im Juni 2014 behauptete Jürgen Todenhöfer, dass der IS „nur scheinbar die alles überragende Rolle“ spiele, hauptsächlich werde der „Aufstand“ von dem „Nationalen, Panarabischen und Islamischen Widerstand“ angeführt, einer „säkularen Koalition mehrerer Gruppen, die schon mit großem Erfolg gegen die US-Armee gekämpft“ (1) hatte. Beinahe ehrfürchtig sprach er vor zwei Jahren von den „Dschihadisten aus aller Welt“, die sich dem IS anschließen und „wegen ihres Todesmuts und ihrer Härte, Furcht und Schrecken“ in dem Bündnis geachtet werden.

Ein Jahr später behauptete der allseits zitierte Experte, dass „der IS die gefährlichste Terrorarmee“ ist, „die die moderne Geschichte gesehen hat“ (2). Kein Wort verlor er mehr über die angeblichen ehemaligen Bündnispartner des Islamischen Staates, die sich innerhalb eines Jahres in Luft aufgelöst hatten. Und das, obwohl der so genannte „Nationale Widerstand“ laut Todenhöfer „in Mossul mit über 20.000 Mann präsent und von der Bevölkerung getragen“ (1) wurde.

Zuletzt irrlichterte Todenhöfer mit seiner Dokumentation »Inside IS« durch die Lande. Selbst bürgerliche Medien warfen ihm „Selbstdarstellung und die kritiklose Veröffentlichung der Ideologie des Islamischen Staats vor“. Seine Kritik richte sich „in erster Linie gegen den Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen“ (3). In der Dokumentation werden „immer wieder Propaganda-Aufnahmen des Islamischen Staats unkommentiert und unreflektiert eingeschnitten“, bemängelte nicht nur der Merkur.

Des Wahnsinns kecke Beute

Wer ernsthaft eine Lösung „für die nicht endenden Konflikte und das Leid der Syrer“ sucht, braucht bei Todenhöfer nicht anzufragen. Sein Interesse liegt in der Vermarktung seiner Publikationen, der Apologet des Terrors bietet keine Analyse zu dem aktuellen Geschehen in Syrien, sondern einzig und allein Ressentiments, die seine Anhänger inbrünstig aufsaugen. Er widerspricht sich am laufenden Bande, was seinen Fans deshalb nicht auffällt, weil sie den Verursacher allen Leides auf der Welt schon längst kennen: die USA.

Todenhöfer trifft mit seinen Aussagen hervorragend den Gemütszustand eines gewissen Teils der deutschen Gesellschaft, die zwischen Pazifismus und offener Kumpanei mit der Barbarei schwankt. Wer ernsthaft einen solchen Apologeten der anti-westlichen Propaganda einlädt, hat sich die Eingangsfrage der Veranstaltung „Doch wer ist der Böse im Syrienkrieg?“ längst beantwortet. Der RBB als öffentlich-rechtliche Medienanstalt muss des Wahnsinns kecke Beute sein, wenn er solch eine Propaganda-Show überträgt.

Wir fordern den RBB auf, die Übertragung des »radioeins und Freitag Salons« am 14. November vom Äther zu nehmen. Eine Ausstrahlung widerspricht allen Regeln des Journalismus und des öffentlich-rechtlichen Anspruches an sein Programm.

Antideutsche Aktion Berlin im November 2016

Anmerkungen:

(1) Terrororganisation ISIS „Nur scheinbar die größte Rolle“, Kölner Stadt-Anzeiger, 15.06.2014
(2) Todenhöfer: „IS ist die gefährlichste Terrorarmee der Welt“, Deutsche Welle, 24.04.2015
(3) „Inside IS“: Daran krankt der Film von Jürgen Todenhöfer, Merkur, 13.07.2016