Archiv für Juni 2015

Endlich Opferstatus.

Deutschlands Tag der Vertriebenen.

Auch ich hatte – zehnjährig – Angst, erschlagen oder erschossen zu werden. Als man Säuglinge aus dem Kinderwagen riss, in die Luft schmiss und wie Tontauben abschoss. Ich kann Ihnen das erzählen. Aber ich kann Ihnen nicht die Geräusche rüberbringen: Die Schreie der Mütter, die Schreie der Kinder und das Lachen der Peiniger.

Deutschland beging am letzten Sonntag den offiziellen »Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung«. Ein Stelldichein der Repräsentanten des Staates lauschte den Ausführungen einer Vertriebenen aus dem Sudetenland. Es ging um die deutschen Vertriebenen nach 1945, aber gleichzeitig ging es auch um die Flüchtlinge von heute.

Zu den Rednern der Veranstaltung zählte auch Bundespräsident Joachim Gauck, der den Anlass folgendermaßen beschreibt: „Zum ersten Mal gedenkt Deutschland an einem offiziellen bundesweiten Gedenktag jener Millionen von Deutschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges zwangsweise ihre Heimat verloren. Zum ersten Mal begeht Deutschland damit auch regierungsamtlich den internationalen Weltflüchtlingstag, wie er vor fünfzehn Jahren von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde. Auf eine ganz existenzielle Weise gehören sie nämlich zusammen – die Schicksale von damals und die Schicksale von heute, die Trauer und die Erwartungen von damals und die Ängste und die Zukunftshoffnungen von heute.“ (1)

Nun haben sie ihn also ihren ganz offiziellen bundesweiten Feiertag. Wo es in der Debatte vor vier Jahren zur Charta des Bund der Vertriebenen (BdV) noch hieß „Die Charta lese sich, als habe es Holocaust und Millionen Kriegstote nicht gegeben“(2), wurde am 20. Juni – die Große Koalition macht es möglich – ein Kompromiss mit dem BdV gefunden. Er macht die deutschen Vertriebenen zu dem, was sie schon immer sein wollten: Opfer weltgeschichtlicher Konstellationen, die sie ebenso schwer getroffen haben, wie die Flüchtlinge, die heute aus dem Irak und Eritrea nach Deutschland kommen.

Auf ihre Charta mussten sie dafür verzichten. Sie sei zu „geschichtsblind“ (3) und außerdem handelte es sich bei vielen Unterzeichnern um Nationalsozialisten: Wer hätte das gedacht. Gleichzeitig heißt es in der Zeit: „Der Gedenktag müsse die deutsche Vertreibungsgeschichte in den europäischen Kontext stellen. Das Gedenken müsse auch allen Menschen anderer Nationalität gelten, die damals vertrieben worden seien.“ (3)

Es blieb einem Kommentar der »Zeitung für Deutschland« (FAZ) vorbehalten, auf einen „Verdacht“ zu verweisen, der aufkam, als das „doppelte Gedenken beschlossen wurde“: „Die Erinnerung an die Katastrophe in den ehemaligen deutschen Ostgebieten solle verwässert werden im weltweiten Flüchtlingselend. Mit der Internationalisierung würden die deutschen Schicksale im allgemeinen Bedauern verschwimmen.“ (4) Aber genau so funktioniert das geläuterte Deutschland. Im Handumdrehen werden nicht nur Täter zu Opfern, sondern auch das globale Flüchtlingselend zum moralischen Standortvorteil umgemünzt. Denn so Gauck „Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren so viele Menschen entwurzelt wie augenblicklich“. Oder andersherum: Schlimmer als die vielen Flüchtlinge heute, hat es nur die Deutschen damals getroffen.

Schlußendlich bedankt sich Gauck bei den Ungarn. Dort gibt es einen Nationalen Gedenktag, der an die Vertreibung der Deutschen erinnert. Dass an der ungarisch-serbischen Grenze gerade mit Hilfe Deutschlands eine vier Meter hohe Mauer gegen Flüchtlinge gebaut werden soll, bleibt derweil natürlich unerwähnt.

Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015

Anmerkungen:

(1) Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck, Berlin 20. Juni 2015
(2) Ein fatal falsches Signal, Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2011
(3) SPD gibt bei Vertriebenen-Gedenktag nach, Die Zeit, 3. Dezember 2013
(4) Neuanfang mit den Vertriebenen, FAZ, 21. Juli 2015

Den Pudding an die Wand nageln.

Bitte hier – je nach persönlicher Vorliebe – das obligatorische Zitat von Theodor W. Adorno einsetzen.Theodor W. Adorno

Es ist Montagabend, im Fernsehen jagen amerikanische Ermittler-Teams, mit allen technischen Raffinessen ausgerüstet, im tausendsten Fall den fiesen Mörder. Draußen ist es dunkel und kalt. Frühling in Deutschland. Irgendwo am Horizont brennt ein gerade eröffnetes Flüchtlingsheim. In den Nachrichten erzählen ahnungslose Krawattenträger etwas von einer erneuten Katastrophe im Mittelmeer. Es folgt, selbstverständlich, das Wetter. Auf der Straße halluzinieren sich wieder einige Tausende als völkische Massenbewegung. Die Antifa GmbH hält, ganz im Sinne des neuen Deutschland, fest dagegen. In der »Anstalt« schauspielert man am Tag darauf derweil beflissentlich Betroffenheit. Was genau spricht eigentlich nochmal gegen den Rückzug ins Private?

Während man dieser unerträglichen Scharade zusieht, wächst allerdings mit jeder Minute die innere Zerrissenheit zwischen Apathie, Ohnmacht und Wut. Diese Gräben lassen sich kurzfristig überbrücken, mit den unterschiedlichsten Drogen, unermüdlicher Arbeit oder der Organisation von wahnsinnig vielen politischen Aktionen. Aber am Ende steht einem trotzdem der Rhein bis zum Hals. Weil einem entweder der Frust über die eigene Bedeutungslosigkeit, der überbordende Zynismus oder die Drogen immer mehr zusetzen. Das Ergebnis ist fast immer gleich: die endgültige Aufgabe, das Erlahmen des Widerstandes gegen den eigenen Wahnsinn. Die Qual der Wahl fällt allerhöchstens noch schwer, wenn hinsichtlich der Abendunterhaltung zwischen »Navy CIS« oder »Big Bang Theory« entschieden werden muss. Denn als Menschen ohne Eigenschaften vegetieren viele lieber langsam vor sich hin, statt endlich die geballte Faust aus der Tasche zu nehmen und in das Gesicht zu schlagen, das es längst verdient hat.

Letzten Endes gerinnen persönliche Ansichten ebenso wie der distanzierte Zynismus zu einer verhärteten Identität, die keines politischen Ausdrucks mehr bedarf. Wiederkehrende Rituale antideutscher Antifaschisten, wie Partys am 8. Mai oder regelmäßig stattfindende Vorträge und Diskussionsveranstaltungen, mutieren zu sozialen Events, bei denen man alte Genossen wiedertrifft und das eigene Bild vom aufrechten Antideutschen pflegt. Proteste, wie zuletzt in Berlin gegen eine Veranstaltung des der Hamas nahe stehenden Palestinian Return Center, bedienen das individuelle Bedürfnis, ab und zu öffentlich und im wahrsten Sinne des Wortes »Flagge zu zeigen«. Dabei reicht es völlig, dass der »Feind« sich ein wenig ärgert. Eine kontinuierliche Kritik an den deutschen Verhältnissen ist jenseits der antideutschen Publizistik kaum noch existent. Deshalb braucht es neue Impulse, ansonsten wird jegliche politische Aktivität auf sozialen Mehrwert reduziert. Und die letzten antideutschen Zusammenhänge verkommen zum netten Dienstleister dieses kurzweiligen Vergnügens.

Unter dem Pflaster liegt nur Sand … #realität.

Stellen wir also fest: Antideutsche Politik steckt heute in einer Sackgasse. Aus dieser verzwickten Lage gelingt der Ausbruch nur durch einen beherzten Sprung nach vorn. Es gilt, endlich raus aus der Israel-Fahnen-Anti-al-Quds-Bomber-Harris-Ecke zu kommen. Das Immerwiedergleiche gehört schleunigst eingemottet. Mit der schier endlosen Wiederholung ein- und desselben Spektakels wird letztlich nur das Bedürfnis nach Sicherheit und Selbstvergewisserung bedient. Dabei sind Interventionen gegen den deutschen Alltag notwendiger denn je. Aber bitte nicht mehr so wie bisher! Deshalb hier als allerletzte Durchsage: Es ist mehr als nur zynisch, wenn man gesellschaftliche Widersprüche im postmodernen Kapitalismus sowie die zunehmende Barbarei in den vom Weltmarkt abgehängten Gebieten unter Zuhilfenahme von Katzenbildern oder mittels bunter Einhornmontagen inklusive Davidstern kommentiert.

Wenn antideutsche Inhalte mit den hinlänglich bekannten Symbolen verziert sind, finden sie ausschließlich begeisterte Abnehmer im eigenen Dunstkreis. Nicht nur aus diesem Grund ist anti-deutsche Politik in den vergangenen Jahren zwischen NGOs, Facebook-Gruppen und Universitätsseminaren komplett hängengeblieben. Organisatorisch und inhaltlich in die Defensive gedrängt, mutiert dementsprechend jede spontan organisierte Reaktion zu einer Zurschaustellung des Immerselben. Um dieser eintönigen Tristesse zu entkommen, ließen sich einige im vergangenen Sommer sogar dazu hinreißen, gemeinsam mit mit den Antiimperialisten von »ARAB« über die MLPD bis hin zu »zusammen Kämpfen« für den »kurdischen Widerstand« auf die Straße zu gehen. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, hilft nur eine Neuausrichtung, selbstverständlich ohne Aufgabe unserer Kritik an den deutschen Verhältnissen, sowie eine Organisierungsdebatte, zumindest der Organisierung einer Diskussion um die strategische Ausrichtung.

Dabei gilt es, zuerst einmal festzuhalten, was unser großes Faustpfand ist: Antideutsche sind als Feind aller Authochtonen, ob rechts, links oder politisch neutral, wahrlich bekannt. Aber in der Öffentlichkeit haben die Antideutschen ihren Exotenbonus aufgebraucht, außer in der Provinz. Dort ist das Schreckgespenst von den widerspenstigen Volksfeinden immer noch äußerst lebendig. Trotzdem sollte jedem endlich klar werden: Das Immer-wieder-Gleiche führt zu den immer wieder gleichen Reaktionen. In unserem Fall bedeutet das konkret, je öfter die Wiederholung, desto geringer der Erkenntnisgewinn oder die Verärgerung bei den potentiellen Adressaten. Die meisten deutschen Linken sind größtenteils immun gegen die üblichen antideutschen Phrasen, was aus einem jahrelangem Gewöhnungseffekt resultiert.

Einstmals kritisch gemeinte Interventionen treffen auf automatisierte Abwehrreflexe. Dieses langweilige Trauerspiel dient einzig und allein der Aufrechterhaltung der eigenen Identität, am Besten weiträumig von der Polizei abgesichert, was am Beispiel der Proteste gegen den al-Quds-Tag jedes Jahr vortrefflich zu beobachten ist.

Anstatt Deutschland zum Beispiel in Torgau, Coburg oder Tröglitz zu denunzieren, wird der gute Ruf der Berliner Republik mitten im Herzen der Hauptstadt verteidigt. Gegen den »größten antisemitischen Aufmarsch«, maximal 1 500 Teilnehmer in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern, werden monatelang die letzten Reste der Szene mobilisiert. Dazu müssen die Organisatoren einige hundert Demonstranten zu einer relevanten Gefahr für Israel, beziehungsweise die hier lebenden Juden, wider besseren Wissens stilisieren. Erfolgreiche Anschläge auf Einrichtungen des jüdischen Lebens beziehungsweise die Meinungsfreiheit in Europa gingen in den letzten Jahren allerdings nicht von schiitischen Antizionisten aus, sondern von sunnitischen Salafisten. Deren organisatorische Schwerpunkte in Berlin sind die Al-Nur-Moschee in Neukölln sowie die As-Sahaba-Moschee im Wedding. Wäre es nicht angebrachter – in Solidarität mit den vom Islamischen Staat bedrohten Menschen weltweit – an diesen Orten zu demonstrieren?

Nach den neuesten Erkenntnissen haben in diesem Land 48 Prozent keine gute Meinung von Israel, bei den 18- bis 29jährigen sind es sogar 54 Prozent. Die israelische Regierung schneidet bekanntlich noch schlechter ab, 62 Prozent der Deutschen bewerten sie negativ. Statistisch gesehen marschieren demzufolge an einem ganz normalen Samstag auf dem Berliner Kurfürstendamm oder im Offenbacher Fußballstadion mehr Antisemiten und Israel-Hasser auf als bei jeder al-Quds Demonstration. Doch selbst solche offensichtlichen Tatsachen werden die Identitären nicht davon abhalten, ihr alljährliches Ritual aufrechtzuerhalten. Ganz im Sinne eines weltoffenen Berlin.

Theorie. Organisation. Praxis! #adab

Es war einmal eine Stärke der Antideutschen, dass sie die unterschiedlichsten Ausdrucksformen deutscher Ideologie nicht nur in Publikationen scharfzüngig denunzierten, sondern dass es ihnen auch gelegentlich gelang, öffentlich wirksam den Finger in die Wunde zu legen.

Wie vor 25 Jahren in Frankfurt am Main. Ziel antideutscher Kritik und Organisation muss auch heute sein, jenseits von Hochschulgruppen, Klamauk und Zeitschriften noch die Waffen der Kritik ins Feld zu führen. Dabei ist nicht nur Kreativität gefragt. Wenn man den Augsteins, Knopps und Max Mustermanns dieses Landes aufs Dach steigen will, dann sind ein Stapel Zeitschriften dafür einfach nicht genug.

Die Reeducation als Praxis, auf die sich Kritische Theorie im Nachkriegsdeutschland spezialisierte, wurde von kleinen, verschworenen Kadergruppen gegen das »Volk williger Knechte, Denunzianten und Zutreiber« vorangetrieben, wie Lars Quadfasel völlig zu Recht in dieser Zeitung feststellte (Jungle World 21/13).

Machen wir uns also nichts vor: Die Chancen standen noch nie besonders gut. Doch das Elend – denn nichts anderes ist diese Melange aus identitärem Gehabe und Zynismus –, das sich in anti-deutschen Kreisen seit geraumer Zeit breitgemacht hat, trägt ein Übriges dazu bei. Endlich wieder den Pudding an die Wand zu nageln, die letzten Reste der vernunftbegabten Antideutschen zu organisieren, ist die Aufgabe, der wir uns derzeit stellen müssen. Nur so ist es möglich, erfolgreiche Interventionen in den deutschen Alltag, wie zuletzt in Tröglitz, zu organisieren.

Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015

Willkommen im Berliner Zoo

English version see below.

Der Zoologische Garten ist der älteste Zoo Deutschlands und zugleich der artenreichste der Welt. Seine gesamte Geschichte über war er eine der größten Attraktionen Berlins und genoss weit über die Stadt hinaus einen guten Ruf. An diesem Erfolg hatten insbesondere die Berliner Juden einen großen Anteil: Von den 4000 Aktionären der Zoologischer Garten Berlin AG waren vor dem Nationalsozialismus 1500 Juden. Mit der Arisierung war es ihnen ab 1938 nicht mehr möglich, ihre Aktien zu vererben oder weiterzuverkaufen – sie konnten sie lediglich zu Schleuderpreisen dem Zoo übertragen. Ihnen war es ab diesem Jahr auch verboten, den Zoo zu betreten.

Wie so viele andere deutsche Unternehmen hat auch der Zoo lange gewartet, zu diesem Teil seiner Geschichte Stellung zu beziehen. Die kläglichen Versuche des Zoos, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, kamen außerdem viel zu spät und beliefen sich auf eine Gedenktafel am Antilopenhaus und ein zum Thema erschienenes Buch über den Zoo im NS, das vom Zoo mitfinanziert wurde. Dieses Buch von Monica Schmidt, das auf einer 2001 in Auftrag gegebenen Studie basiert, macht deutlich, dass der Zoo seine jüdischen Aktionäre aus freien Stücken aus ihrer Position verdrängte. Es hätte zum Anlass genommen werden können, sich weiter mit dem Thema zu befassen, stattdessen war für Andreas Knierim, Chef des Zoos, mit Erscheinen des Buches das Thema wohl erledigt. In seiner Rede anlässlich der Verlegung eines Stolpersteins in Wilmersdorf für die Tochter jüdischer Anteilseigner erwähnte Knierim den Nationalsozialismus nicht einmal; er erzählte lediglich davon, wie sehr Hilde Singer den Zoo geliebt habe. Kein Wort darüber, dass diese Liebe mit der Arisierung des Zoos endete, kein Wort darüber, dass ihre Familie in Auschwitz ermordet wurde.

In der BRD hat es mittlerweile Tradition, zu diesem Thema pathetische Reden zu halten und sich in Bekenntnissen über die deutsche Schuld an der Shoah zu übertreffen. Doch all das wohlfeile Gerede von Verantwortung führt selten zu materieller Entschädigung. Solcherlei Forderungen werden schulterzuckend abgetan. Angefangen bei den viel zu niedrigen „Wiedergutmachungszahlungen“ der jungen Bundesrepublik an Israel, die wohlgemerkt aus politischem Kalkül und nicht aus einem schlechten Gewissen heraus geleistet wurden, mussten sich viele Opfer des deutschen Vernichtungswahns, wenn überhaupt, mit heuchlerischen Gesten und symbolischen Beträgen begnügen, was bei den Feiern zum 50. Jahrestags der israelisch-deutschen Beziehungen gerne unter den Tisch fallen gelassen wird. Man will sich den Stolz auf die eigene Aufarbeitungsleistung nicht verderben lassen durch das schnöde Geld, an dem es vielen der noch lebenden Holocaustüberlebenden mangelt. Man baut damit lieber Denkmäler.

Es gibt keine Wiedergutmachung für die Shoah, aber das darf keine Entschuldigung dafür sein, nicht einmal einen materiellen Ausgleich zu schaffen: Die Nachfahren der jüdischen Anteilseigner haben bis heute nichts von den Investitionen ihrer Eltern und Großeltern in den Zoo gesehen, diesbezügliche Anfragen an den Zoo wurden abgeblockt.

Wir fordern, dass die Zoologischer Garten Berlin AG und das an ihr beteiligte Land Berlin die Nachfahren der rechtmäßigen Anteilseigner ausfindig macht und ihnen eine angemessene Entschädigung zahlt – samt dem Wertzuwachs, den die Aktie durchlaufen hat. Momentan ist die Aktie etwa 4000€ wert, mindestens diese Summe wäre also angemessen. Für ein millionenschweres Unternehmen wie den Zoo sollte das kein Problem darstellen.


Welcome to the Berlin Zoo

The Berlin Zoo is Germany’s oldest zoo and it offers the largest variety of species worldwide. From its opening in 1844 until today it was one of the biggest attractions in the city and the region. Jews in Berlin had a great deal to do with this success: 1500 of its 4000 shareholders before National Socialism were Jews. When the „Aryanization“ started in the 30’s, Jews were forbidden to pass on their shares. They were also not allowed to sell their shares to anyone except to the zoo. From 1938 they were banned from entering the zoo altogether.

Like many German companies, it took the zoo far too long to even comment on this part of their history. The pathetic attempts to deal with this topic amounted to a commemorative sign put up at the „Antilopenhaus“ and a book about the Zoo during NS, co-financed by the zoo. This book by Monica Schmidt shows that the zoo deliberately pushed Jews out.
It could have been a start for a debate about the Berlin Zoo during Nazism. Instead, the director of the zoo Andreas Knierim seems to think that there is nothing more to say. In his speech at the inauguration of a memorial stone („Stolperstein“) for Hilde Singer, daughter and niece of Jewish shareholders, he didn‘t even mention National Socialism, nor did he talk about them having been murdered in Auschwitz. His only topic was Hilde’s love for the zoo. Not a word on how that love was brutally ended with German extermination politics, as were the lives of her family.

Traditionally, Germans excel in giving dramatic speeches on their „historic responsibility“ because of the Holocaust. But all this cheap talk almost never leads to material compensation or support. Demands of this kind are usually just shrugged off. The insubstantial „reparations“ to Israel, that were as a matter of fact agreed to by Germany out of economic considerations, not out of a true bad conscience, are just one example. Many of the German’s victims received nothing but hypocritical sermons or symbolic payments, if any. This tends to be forgotten in the celebrations taking place this year, marking 50 years of diplomatic relations with Israel. It would just spoil all the self-congratulation to talk about vile money. The money is rather used to build yet another memorial instead of supporting the last remaining Survivors, many of whom are in need.

There can be no atonement for the Holocaust, but that is not an excuse for the refusal to financially compensate the victims: Jewish shareholders of the zoo have not seen a coin of the money their parents and grandparents invested. The zoo has until today blocked any attempts do deal with their claims.

We request the „Zoologischer Garten Berlin AG“ and the state of Berlin to find the remaining rightful shareholders and their descendants to pay them an appropriate reimbursement, including the capital gain of the shares. A sum of at least 4000€ seems appropriate, which is the approximate value of the shares today. This shouldn‘t pose a problem for a business worth millions like the Berlin Zoo.

Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Antideutsche Aktion Berlin im Juni 2015