Archiv für November 2013

There’s no Business like NGO Business

Eine kritische Analyse der Antriebe und Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen in den palästinensischen Gebieten.

Eine Ver­an­stal­tung der Antifa D-Day Duisburg
mit Unterstützung des Bildungswerk der Ruhrwerkstatt Oberhausen
am Donnerstag den 28. November 2013 um 20:00 Uhr
im Druckluft, Oberhausen.

Es gibt auf dieser Welt unzählige Nichtregierungsorganisationen (NGOs), doch nirgendwo ist ihre Dichte so hoch wie in den palästinensischen Gebieten. Mehr als tausend sind es alleine im Westjordanland, über hundert im Gazastreifen. Man könnte vermuten, dass diese große Zahl damit zusammenhängt, dass die »internationale Gemeinschaft« und die Vereinten Nationen zu wenig für die Palästinenser tun. Doch damit ginge man fehl, schließlich empfängt pro Kopf weltweit niemand mehr ausländische Finanzhilfen als die Palästinenser. Die Uno hat ihnen zudem sogar ein eigenes Flüchtlingshilfswerk eingerichtet, nämlich die United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (kurz: UNRWA), während alle anderen Flüchtlinge auf dieser Welt in die Zuständigkeit des UNHCR fallen. Ohnehin lässt sich nicht ernsthaft behaupten, dass die Verhältnisse in den palästinensischen Gebieten die schlimmsten auf dem Erdball wären: Die Lebenserwartung der Bewohner des Gazastreifens etwa beläuft sich auf 74 Jahre und ist damit höher als in Ägypten, der Türkei und über hundert weiteren Staaten. Die Kindersterblichkeit hat ungefähr das Niveau von Bulgarien und liegt niedriger als in den meisten süd- und mittelamerikanischen Ländern.

Nicht wenige NGOs zeichnen von den palästinensischen Gebieten, insbesondere vom Gazastreifen, jedoch ein gänzlich anderes Bild – nämlich das eines besetzten und belagerten Landstrichs, in dem die Bevölkerung vom israelischen Staat und seiner Armee eingesperrt, um ihre Lebensgrundlagen gebracht und immer wieder grundlos mit Krieg überzogen wird. Dass der Gazastreifen von der islamistischen, antisemitischen Hamas beherrscht wird – die in diesem Gebiet eine Art Gottesstaat errichtet hat, der Bevölkerung elementarste Rechte vorenthält, jede Form von (politischer, religiöser oder sexueller) Abweichung brutal verfolgt und Israel am liebsten von der Landkarte radieren würde –, ist für sie in aller Regel so wenig ein Thema wie das autoritäre, korrupte und kaum weniger antisemitische Regime der Fatah im Westjordanland. Die weitaus meisten Nichtregierungsorganisationen, die mit dem »Nahostkonflikt« befasst sind, suchen die Schuld für vermeintlich oder tatsächlich menschenunwürdige Zustände in den palästinensischen Gebieten nahezu ausschließlich beim jüdischen Staat.
Warum ist das so, und welcher Art ist die Hilfe, die von NGOs in den palästinensischen Gebieten geleistet wird? Wer finanziert sie, wohin führt sie? Welches Menschenbild herrscht in den NGOs vor? Und könnte es sein, dass nicht wenige von ihnen trotz gegenteiliger Beteuerungen gar kein Interesse an einem nahöstlichen Frieden haben?

Alex Feuerherdt ist freier Autor und lebt in Köln. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zum Thema Nahost, unter anderem für die ›Jüdische Allgemeine‹, ›Konkret‹, den ›Tagesspiegel‹ und die ›Jungle World‹.