Archiv für Februar 2013

Genossen in der Krise

Kommunisten sind einsam. Sie haben höchstens die Wahrheit auf ihrer Seite. Die Genossen sind schon Jenseits von Gut und Böse. Die Realität hatte ihnen einst übel mitgespielt. Wenn dann aber doch auf einmal ein solch seltenes Exemplar aus der grauen Masse herausragt, kommt man nicht umhin, dem ollen Marx nachträglich dafür zu danken.

Aber Vorsicht! Im bundesdeutschen Politkarneval sind viele nur als Kommunisten verkleidet. Dem einen Deutschen ist es reine Identität, dem anderen spiegelt es Pluralität. Genau deshalb durften sich vor einigen Jahrzehnten die letzten Aufrechten in einer kommunistischen Partei organisieren, die das entscheidende Wörtchen deutsch dem Kommunismus voranstellte. Heute ist dieser Haufen zwar nur noch ein Häuflein. Ideologie produziert er trotzdem noch.

DDR-Bürger waren es gewohnt, ohne Nachteile zu befürchten, öffentlich, in Belegschafts-, Gewerkschafts-, oder Partei- versammlungen an der Betriebsleitung oder an sonstigen Vorgesetzten Kritik zu üben. Die Diskussion von Problemen in den Betriebsparteiorganisationen der SED war von größter Bedeutung!“, Erich Buchholz, ehemaliger Professor für Strafrecht an der Humboldt Universität Berlin, in Theorie und Praxis, Februar 2013

Elend ohne Not. Kommunisten verteidigen keine Gefängnisse. Nicht einmal die eigenen. Dies gilt selbstverständlich auch für das Freiluftgefängnis DDR. Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hingegen setzt nur zu bereitwillig den Kampf für eine bessere Zukunft aufs Spiel, um die wahrhaft unglaubwürdige Ehrenrettung einer mehr als schlechten Vergangenheit durchzusetzen. Ein Verrat, der nicht größer sein könnte. Und aussichtsloser.

Meinungsfreiheit herrscht nicht.

Grabpflege anstatt Geburtshilfe ist das Motto einer Organisation, die eigentlich der gesamten Welt vorgaukelt, „der Zukunft zugewandt“ zu sein. Ist das nun die Farce, von der einst Karl Marx sprach, oder doch nur ein Ausdruck des alltäglichen deutschen Wahnsinns?

Wir früheren DDR-Bürger vermissen heutzutage den scharfen politischen Witz über das Führungspersonal dieses Landes. Natürlich gibt es eine Fülle gekonnter Satire-Sendungen, die auch als Ventil dienen. Aber es mangelt an der weiter erzählten Persiflage. Bei uns waren pointierte Ulbricht- und Honecker-Witze geradezu Legion. Fast jeder Dritte kannte sie.“ Klaus Steiniger, ehemaliger Redakteur des „Neuen Deutschlands“, in Theorie und Praxis Februar 2003.

Dem einen oder anderen DDR-Bürger ist dabei schon mal das Lachen vergangen. Wenn man Pech hatte und an den Falschen geriet, stand die Staatssicherheit vor der Tür. Für etwas gescheitere Witzbolde gab es die Ausbürgerung. Geschenkt. Dafür konnten sich die Redakteure auf den Fluren des „Neuen Deutschland“ gegenseitig die neuesten Witze über das Führungspersonal erzählen. In der Zeitung lesen konnte man sie dagegen nie.

Was diese Ewiggestrigen einfach nicht verstehen wollen, in der derzeitigen Gesellschaft hat jeder individuelle Probleme. Menschen, die in einem Zwangskollektiv leben nur eines: Als erstes die weitestgehende persönliche Freiheit zu erreichen. Jedenfalls, wenn sie noch halbwegs bei Verstand sind. Das harmlose Ventil im Zwangskollektiv DDR war der politische Witz, erzählt von Mund zu Mund. Die politische Antwort war die Staatssicherheit und einige ausgewählte Satire-Sendungen im Fernsehen.

Die Dialektik des Witzes

Pustekuchen! Leider keine Farce. Ein einschneidendes Ereignis im Januar beweist bedauerlicherweise, es handelt sich hierzulande stets um den alltäglichen deutschen Wahnsinn. Alles andere ist Quark: Die sozialdemokratischen Pendants zur kommunistischen Persiflage gaben aus heiterem Himmel, so mir nichts, dir nichts, ihr neuestes Husarenstück zum Besten. Einige hundert Jungpioniere, organisiert in und bei der Linkspartei sowie der SPD, zogen diesmal, nicht nur ideologisch getrennt von den Stalinisten, Maoisten und Seifenkisten, zu Ehren von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht artig um die Häuser. Gedenken in der Krise, im wahrsten Sinne der Worte.

Auch wenn man nun getrennt marschiert. Die Jugend opfert sich auf beiden Seiten unverblümt für die eigene (Partei)Biografie. Ob sozialdemokratisch oder kommunistisch. Völlig egal. Und eines ist gewiss, ums Ganze ging es an diesem Tag auf den Straßen von Berlin bestimmt nicht. Es ging um die Häuser, die Distinktion und letztendlich um die eigene Identität. In der Sprache der tablettensüchtigen Freunde stumpfer Fabrikmusik: Nein, nein, nein, das hat mit Kommunismus nichts zu tun!

Sozialisten kämpfen niemals für den Mindestlohn. Selbst sie haben höhere Ziele. Rosa & Karl wussten das. Egal wo sich gerade ihre Gebeine befinden, das ewige Rotieren ist ihnen sicher. Dieses Los teilen Beide mit vielen Leidensgenossen. Das derzeitige Elend ist bezeichnend genug. Die Ewigjunggebliebenen stehen als Reservearmee für die bezahlten Politkader in der Tradition der alten deutschen Sozialdemokratie immer bereit. Links blinken, rechts abbiegen. Ein zeitloses Erfolgsmodell.

Die organisierten Kommunisten sind gleichfalls keine guten Vorbilder. Gesinnung ist heutzutage von der Biografie und der Tagesform abhängig. Kein Spaß! Ein Boulevard der Eitelkeiten, auf dem Meinung feil geboten wird, wie die unverkäufliche Bückware bei Penny. Deutsche Ideologie gibt es gratis obendrein. Leider nicht umsonst. Als Ventil kann da nur noch die Satire herhalten.

Treffen sich zwei Kommunistinnen zufällig in der Bäckerei.

Antideutsche Aktion Berlin (ADAB) im Februar 2013