Archiv für August 2012

Lob der Kulturindustrie

Über Kunst, Kultur und die Wiederkehr des Immergleichen

Eine Veranstaltung der Antideutschen Aktion Berlin [ADAB]
am Dienstag den 18. September 2012 um 19:30 Uhr
in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstr. 42/43, Berlin-Neukölln

War es vor fünfzehn Jahren das Fetischkapitel des Marxschen „Kapitals“, das man rauf- und runterbeten können musste, um in bestimmten linken Kreisen anerkannt zu werden, folgten bald Moishe Postones Aufsatz „Nationalsozialismus und Antisemitismus“, diverse Faschismustheorien, die Landeskunde des Irak, das Islamexpertentum und die Hebräischkenntnisse. Nun scheint die Kunst an der Reihe zu sein. Diese Auseinandersetzung mit dem Guten, Wahren, Schönen ist grundsätzlich nicht falsch. Angesichts der Erzeugnisse des zeitgenössischen Kunstbetriebs verwundert sie dennoch. Denn wer eines der einschlägigen Events besucht, muss mit dem Schlimmsten rechnen: Die Ausstellungen warten mit den immergleichen Installationen aus Metallschrott, Plastik-Holz-Kombinationen oder flimmernden Bildschirmen auf; das Theater kommt nicht ohne die permanente Kritik des Dreiklangs aus Medien, Konsum und Globalisierung aus. Die zeitgenössischen Kunstwerke sind weder eine Allegorie „scheinlos gegenwärtigen Glücks“, noch findet ein Abarbeiten an der Erfahrung von Leid statt. Stattdessen werden die Verhältnisse bestenfalls verdoppelt. Selbst die wenigen Werke, die sich dieser Entwicklung entziehen, verdeutlichen aufgrund ihrer schreienden Marginalität, wie sehr die Kunst auf den Hund gekommen ist. Die Mehrheit der zeitgenössischen Kunstwerke hat sich längst ununterscheidbar von den Produkten der Kulturindustrie gemacht. Es gibt allerdings einen Unterschied: Fernsehen, Kino und Popmusik liefern die Verdopplung der Realität, mit der auch die einschlägigen Theateraufführungen oder Ausstellungen aufwarten, bei aller dringend erforderlichen Kritik in einer anspruchsvolleren Weise. Sie erheben im Unterschied zum zeitgenössischen Kunstbetrieb zumindest noch den Anspruch, das Publikum zu unterhalten. Dieses Amüsement scheitert zwar notwendigerweise. Dennoch ist jede Folge des „Marienhofes“, der „Verbotenen Liebe“ oder des „Großstadtreviers“ – ganz zu schweigen von den Produkten der viel geschmähten amerikanischen Kulturindustrie – zumindest unterhaltsamer als die jeweils aktuelle Dokumenta resp. die neuesten Werke Daniel Kehlmanns, Claus Peymanns oder Neo Rauchs. Wie es so kommen konnte, und warum die Kunst trotzdem gerade in jüngster Zeit eine enorme Anziehungskraft auf die prekarisierte Linke ausübt, soll im Rahmen der Veranstaltung diskutiert werden.

Der Referent Jan-Georg Gerber schreibt regelmäßig für die Bahamas und ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher über die Geschichte und Gegenwart der politischen Linken.

Mitschnitt: Damaszener Frühling

Mitschnitt der Informationsveranstaltung „Damaszener Frühling. Wohin führt der Aufstand in Syrien?“ am 09. August 2012 in der Schankwirtschaft Laidak

Teil 1 – Einleitung mit Bernd Beier (Jungle World) und Hannah Wettig (adopt a revolution)

Teil 2 – Siamend Hajo (Berliner Gesellschaft zur Förderung der Kurdologie e.V. (BGFK))

Teil 3 – Thomas von der Osten-Sacken (Wadi e.V.)

Teil 4 – Diskussion

Die Taz lügt

Deutsch-Linke diskutieren über Syrien“ so übertitelt die taz in ihrer heutigen Ausgabe einen Bericht von unserer Veranstaltung „Damaszener Frühling. Wohin führt der Aufstand in Syrien?“. Eine direkte Antwort auf diese Injurie wurde der Redaktion zugesand:

„Mit ein wenig Recherche wäre Ihnen aufgefallen, dass die Veranstaltung „Damaszener Frühling. Wohin führt der Aufstand in Syrien?“ von unserer Gruppe, der Antideutschen Aktion Berlin, in Zusammenarbeit mit der linken Wochenzeitung Jungle World veranstaltet wurde. Einhergehend mit dieser Erkenntnis wäre uns als Veranstalter, den Referenten sowie natürlich auch den anwesenden Teilnehmern wohl die widerwärtige Bezeichnung als „Deutsch-Linke“ erspart geblieben.“