Die antisemitische Internationale

Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014

15. April 2014, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle
Ewiges Rätsel Antisemitismus – Warum der Materialismus sich am Judenhass die Zähne ausbeißt
Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard (München)

Die Vorstellung, die Juden seien selbst für den Antisemitismus verantwortlich, ist eine Rationalisierung des Hasses. Sie folgt der Logik, eine Strafe setze ein Verbrechen voraus, und hält damit den Wahn des Antisemiten von vornherein für realitätsgerecht. Die Verschiebung der Schuld auf die Juden ist somit selbst nichts anderes als Judenfeindschaft. Irgendetwas sei schon dran am Antisemitismus, wenn er seit ewigen Zeiten bestehe und von so vielen gebildeten Leuten geteilt werde. Das zu Begründende erweist sich als unbegründbar, weil es sich durch seine bloße Existenz zu legitimieren scheint. An dieser Stelle ist eine Grenze der Aufklärung erreicht, die es unmöglich macht, an die Vernunft des Sprechenden zu appellieren.

Dennoch haben Theoretiker stets versucht, eine Erklärung für den Antisemitismus zu finden. Die Marxisten haben dem Kapitalismus die Schuld gegeben, die Atheisten dem Christentum, die Existenzialisten dem je Einzelnen. Nur die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers hat versucht, der Dialektik der Aufklärung selbst auf die Schliche zu kommen. Doch auch ihr berühmter Versuch über den Antisemitismus wird nicht mit dem Problem fertig, dass die Judenfeindschaft scheinbar ewig und unabhängig von jeder konkreten gesellschaftlichen Formation ist. Rückblickend schrieb Max Horkheimer 1968: „Die Aufgabe bleibt, herauszufinden, ob nicht all diesen feindlichen Haltungen […] eine bisher unbekannte, tieferliegende, aufs engste mit der Geschichte der Zivilisation verknüpfte Wurzel zugrundeliegt.“ Der Zionismus hat auf das ewige Rätsel Antisemitismus mit der pragmatischen Konsequenz reagiert, dass er eine bewaffnete Heimstätte für die Juden in aller Welt schuf. Doch so notwendig die Verteidigung des jüdischen Staates Israel angesichts des perennierenden Wahns ist, so unabdingbar bleibt es zugleich, dieses Rätsel zu lösen, um den Antisemitismus aus der Welt zu schaffen.

Philipp Lenhard, Redakteur der Zeitschrift „Prodomo“ und Mitherausgeber des Sammelbandes „Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft“ (ça ira Verlag 2012), wird sich in seinem Vortrag der von Horkheimer formulierten Aufgabe widmen, dem Ursprung und dem Grund für die Persistenz des Antisemitismus auf die Spur zu kommen.

13. Mai 2014, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle
Links ist da, wo kein Antisemitismus ist?
Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer (Berlin)

Wer sich schon einmal daran versucht hat, am ideologischen Weltbild eines standhaften Linken zu rütteln, der wird um die Erfahrung nicht herumgekommen sein, dass das faktenbezogene Argumentieren meist nur an einer einzigen Stelle den linken Selbstzweifel nähren kann: Den Vergleich mit der NPD bemühen zu müssen, entspringt der Hoffnung, wenigstens am antifaschistischen Gewissen jener rühren zu können, die im Angesicht ihrer persönlichen Nähe zu den Nazis noch vor sich selber erschrecken können.

Verweist man auf die nicht aus der Welt zu schaffende Deckungsgleichheit bzw. die riesige Schnittmenge, die zwischen der NPD-Programmatik und der linken Welterklärung insbesondere beim Thema Globalisierung besteht, dann zeigt sich, dass hier etwas schon rein logisch nicht stimmen kann. Jeder besser geschulte Linke weiß selbstverständlich, dass das Weltbild der braunen Kameraden eindeutig antisemitisch ist. Was aber hält die roten Genossen dazu an, gerade an den entscheidenden Punkten wie der Einordnung der Rolle Israels und der USA ihren Erzfeinden gar nicht widersprechen zu können?

Die richtige Antwort auf diese Frage setzt die Erkenntnis voraus, dass der Antisemitismus auch eine Form von Rassismus sein kann, dies aber keineswegs sein Wesen ausmacht, dass er nicht als eine falsche Kritik am Judentum verharmlost werden darf und dass Rassismus und Antirassismus spätestens seit dem Erfolg von Franz Fanon und Edward Said sich ohnehin immer ähnlicher werden.

Warum unter solchen Vorzeichen schon die bloße Frage nach linken Wegen jenseits von Herrschaft und Ausbeutung verdächtig sein muss und die Einladung eines Friedensforschers nach Halle, der über den Westen und den Iran referiert, das Protestieren gegen seine Einladung notwendig macht, darum soll es im Vortrag gehen.

Sören Pünjer ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.

27. Mai 2014, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle
Magyarische Mobilisierung – Antisemitismus und völkische Krisenbewältigung in Ungarn
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat (Wien)

Ungarn scheint auf den Titel „Antisemitischstes Land in Europa“ versessen zu sein: Regelmäßig demonstrieren Nazis in Budapest, mehr als ein Drittel der Ungarn glaubt an eine jüdische Weltverschwörung und die Regierung betont die guten Beziehungen zum Iran – der Staat, der Israel auslöschen will. Auch in vergleichenden Länderstudien zur Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit und klassischem Antisemitismus erreicht die ungarische Bevölkerung regelmäßig Spitzenwerte. Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, hat in den letzten vier Jahren mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft betrieben. Ministerpräsident Orbán agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Der Vortrag will nicht nur auf die politische Situation in Ungarn eingehen, sondern auch auf die zentralen Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft eingehen, die eine antisemitische Mobilisierung möglich gemacht haben.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

24. Juni 2014, 19:00 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle
Im Namen des Propheten – Antisemitismus und Islam
Vortrag und Diskussion mit Thomas Maul (Berlin)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschob sich das Zentrum des weltweiten Antisemitismus von Deutschland in die sogenannte islamische Welt. Anders als stetig von Islamwissenschaftlern, Orientalisten und Vertretern der Postcolonial Studies behauptet, handelt es sich bei der Judenfeindschaft, die regelmäßig zwischen Kairo und Teheran, Gaza und Damaskus reüssiert, dennoch nicht nur um einen Import aus Europa. Der Islam weist vielmehr starke historische Affinitäten zu dieser Weltanschauung auf. Nur deshalb konnte der Antisemitismus zum Dreh- und Angelpunkt des Selbstverständnisses des politischen Islam werden; nur deshalb konnten sich die regionalen Auseinandersetzungen um die Gründung Israels zum überregionalen „Nahostkonflikt“ ausweiten.

Thomas Maul ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“ sowie der Bücher „Die Macht der Mullahs – Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger“ (ça ira-Verlag 2006) und „Sex, Djihad und Despotie – Zur Kritik des Phallozentrismus“ (ça ira-Verlag 2010).

Veranstalter ist die AG Antifa im Studierendenrat der MLU Halle

STOP NUMOV::::FREE IRAN!

Eine Ver­an­stal­tung von STOP THE BOMB
am Dienstag den 8. April 2014 um 9:30 Uhr
Vor dem Sitz des NUMOV, Jägerstraße 63d, Berlin

Der Nah- und Mittelost-Verein (NUMOV) – die 1934 gegründete zentrale Förderorganisation für den deutschen Handel in die Region – veranstaltet am 8.April 2014 eine Deutsch-Iranische Business Conference in Berlin.

Die deutsche Wirtschaft nutzt den fatalen Atomdeal von Genf, um ihre Deals noch weiter auszubauen, obwohl von einem Rückbau des Atomprogramms keine Rede sein kann. Der wieder ansteigende Exporthandel mit Iran nimmt den Druck vom Regime und macht eine Atombombe in Händen der Mullahs immer wahrscheinlicher.

Der NUMOV, dessen Ehrenvorsitzender Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist, beteiligt sich mit seiner Werbeveranstaltung für den Iranhandel am Appeasement gegenüber dem iranischen Regime. Profiteure des Nationalsozialismus wie die IG Farben oder Siemens gehörten 1934 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. In diesem Jahr feiert man die Handelsbeziehungen mit dem antisemitischen iranischen Regime und lädt den Industrieminister und einen Präsidentenberater ein zur Intensivierung der Kooperation.

Währenddessen schlachten iranische Revolutionswächter sowie Teherans Verbündete von der Hisbollah in Syrien nach wie vor tausende Menschen ab. Unter Rohani hat sich die terroristische Außenpolitik nicht geändert, doch selbst die neueste, durch die israelische Marine vereitelte Waffenlieferung des iranischen Regimes an Terroristen Anfang März trübt die Begeisterung für die Rohani-Regierung nicht.

Obwohl der religiöse Führer Chamenei Israel als „Krebsgeschwür“ denunziert oder der Pasdaran-General Hossein Salami erst kürzlich verkündete, Iran halte „den Finger am Abzug“ um jederzeit das „zionistische Regime zu zerstören“, hält das die deutsche Wirtschaft nicht von weiteren Geschäften mit dem Iran ab.

Auch die dramatische Zunahme von Hinrichtungen im Iran hindert die deutsche Wirtschaft nicht daran, das Regime als Partner zu hofieren. Die Hinrichtungszahlen sind unter dem vermeintlich moderaten Rohani drastisch gestiegen. Demokratische Kräfte, Frauen und Homosexuelle werden weiter unterdrückt und von Hinrichtungen bedroht. Dennoch ist der Wunsch nach einem faulen Kompromiss mit Teheran ungebrochen.

Veranstaltungen wie die Numov Business Conference stärken das iranische Regime und zwingen Israel die Entscheidung auf, eigenständig gegen das Atomprogramm vorzugehen oder unter dem Damoklesschwert der iranischen Bombe zu leben. Der Druck auf das iranische Regime muss erhöht und die Opposition im Iran und im Exil unterstützt werden.

STOP NUMOV – FREE IRAN
Keine Geschäfte mit dem iranischen Regime
Für eine säkularen und demokratischen Iran!

Mitschnitt: Lob der Kulturindustrie

Mit­schnitt der In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungLob der Kulturindustrie. Über Kunst, Kul­tur und die Wie­der­kehr des Im­mer­glei­chen“ mit Jan-Georg Gerber am 18. September 2012 in der Schank­wirt­schaft Lai­dak.

Von Bagdad nach Damaskus.

Eine Ver­an­stal­tung der Antideutschen Aktion Berlin
am Mittwoch den 2. April 2014 um 19:30 Uhr
In der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstr. 42/43, Berlin

Befreiung oder failed states?

März 2011, in der syrischen Stadt Daraa schrieben einige Kinder den Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“ an mehrere Wände. Daraufhin wurden sie von den syrischen Sicherheitsbehörden verhaftet und gefoltert. Die sofortige Freilassung der Kinder war das Hauptanliegen für die ersten Proteste. Mitte März eröffneten die Sicherheitskräfte bei einer weiteren Demonstration das Feuer, mindestens vier Menschen verloren ihr Leben. Im Weiteren griffen die Proteste auf viele andere Städte in Syrien über. Drei Jahre, zwei UN-Beobachtermissionen, weit über drei Millionen Flüchtlinge, zehntausende Verhaftungen und 120.000 Tote später verhandelt die internationale Weltgemeinschaft nach wie vor über ein Ende der Gewalt.

Was einst als Aufstand gegen Baschar al-Assad begann ist in einem blutigen Bürgerkrieg geendet. Während die syrischen Sicherheitskräfte gemeinsam mit iranischen Revolutionsgardisten und libanesischen Hizbollahkämpfern brutal gegen die Opposition vorgehen, kämpfen die Aufständischen unter Führung der Freien Syrischen Armee gegen zwei Feinde und geraten immer weiter in die Defensive. Die zahlreich eingesickerten Al-Qaida-Terroristen verfolgen ihre eigene Agenda, wodurch die ethnischen und konfessionellen Konflikte innerhalb Syriens noch weiter aufbrechen.

März 2003, die Koalition der Willigen unter Führung der US-Amerikaner intervenierte im Irak. Es dauerte kaum sechs Wochen bis zur endgültigen Befreiung Bagdads. Nur ein Jahr später entsteht eine repräsentative irakische Übergangsregierung, doch der Bürgerkrieg ist kaum noch aufzuhalten. Die USA warfen vor allem dem Iran und Syrien vor, nichts gegen das Eindringen ausländischer Kämpfer zu tun. Die unzähligen Anschläge zwischen Sunniten und Schiiten forderten fast schon täglich Dutzende Menschenleben, während im Nordirak die kurdische Bevölkerung ihre Autonomie von Bagdad forcierten.

Nach dem endgültigen Abzug der amerikanischen Kampftruppen 2011 beruhigte sich die Lage nur kurzfristig. Die Spannungen zwischen den Schiiten und Sunniten führen immer wieder zu terroristischen Anschlägen. Der irakischer Ministerpräsident, Nuri al-Maliki, ehemaliger Leiter des so genannten Dschihad-Büro zur Koordinierung der Opposition gegen Saddam Hussein in Syrien, gilt vielen Sunniten als verlängerter Arm der verhassten Iraner. Maliki setzte in den oberen Rängen des Militärs und der Geheimdienste fast ausschließlich Schiiten ein, weshalb sich, im Kampf gegen die irakische Zentralregierung, immer wieder sunnitische Stämme den Al Qaida-Terroristen anschließen.

Ägypten, Tunesien, Libyen und Bahrain, der so genannte arabische Frühling hat bisher in keinem Land Früchte getragen. Der Versuch der Muslimbrüderschaft das neu entstandene Machtvakuum für sich aus zu nutzen, ist nicht nur in Ägypten gescheitert. Die alte Eliten kämpfen mit aller Macht um ihre Pfründe, marodierende Islamisten greifen Christen, Demokraten sowie Gewerkschafter an und beinahe allen gesellschaftlichen Akteuren gilt der Staat immer noch als persönliche Beute. Eine demokratisch gesinnte Opposition ist nur in wenigen Ländern aktiv, zumeist ist sie in der absoluten Minderheit.

Der Referent Thomas von der Osten-Sacken (Freier Publizist und Geschäftsführer von Wadi e.V.) spricht über die derzeitige Situation im Nahen Osten und analysiert die Auswirkungen des Sturzes von Saddam Hussein auf die umliegenden Länder.

Sabotiert Augstein.

Am Sonntag den 16. März 2014 um 10:30 Uhr
Im Filmtheater Union in der Bölschestraße 69, Berlin

Jeder in Deutschland fühlt sich verantwortlich für Schiller, für Goethe und für Beethoven, aber keiner für Himmler. Ein Großteil der Bevölkerung denkt wie Martin Walser. Ende. Zeit, Schluß zu machen, nur noch nach vorne schauen.“ Ignatz Bubis

Nur einer blieb sitzen, im Oktober 1998, bei der Entgegennahme des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche, während der Schriftsteller Martin Walser gegen „Auschwitz“ als „Moralkeule“ wetterte. Als verfolgte Unschuld fühle er sich, lies Walser die versammelte Prominenz wissen, weil kein Tag vergeht, an dem die nationalsozialistischen Verbrechen, „unsere geschichtliche Last, die unvergängliche Schande, sie uns nicht vorgehalten wird“. Er habe das Gefühl, daß oft „nicht mehr das Gedenken, das Nichtvergessendürfen das Motiv ist, sondern die Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken.“ Über tausende Zuhörer applaudierten, stehend. Nur einer blieb sitzen. Ignatz Bubis, der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Wie in einem falschen Film. Bubis warf Walser berechtigter Weise „geistige Brandstiftung“ vor. Doch mit seiner Kritik stand er allein auf weiter Flur. Die deutschen Eliten dachten wie der alternde Schriftsteller. Deutschland kam langsam zu sich. Schon im Jahr 1995 entdeckte der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Freimut Duve die „Rampe von Srebrenica“. Deutsche Politiker halluzinierten ein zweites Auschwitz in Jugoslawien. Der bündnisgrüne Außenminister Joschka Fischer sprach 1999 von einem „neuen Auschwitz“ im Kosovo. Im Kriegsfall spricht das kollektive Unbewußte der Deutschen vollends Tacheles. Wenn die Opfer der Nationalsozialisten die selben Verbrechen begehen wie die Nationalsozialisten, verlieren die Taten ihre besondere Scheußlichkeit, wenn man schon den alten Verbündete in Palästina nicht direkt militärisch unter die Arme greifen kann, so dann wenigstens den ehemaligen albanischen Hilfstruppen. Der Clou: Eine einstmals deutsche Tat wird universell, Täter und Opfer beliebig austauschbar. Adolf Hitler wird letztlich international.

Einen Monat vor seinem Tod im Jahre 1999 äußerte sich Ignatz Bubis resigniert über seine Amtszeit als Vorsitzender des Zentralrates der Juden, beinahe gebrochen gab er zu Protokoll: „Ich wollte diese Ausgrenzerei, hier Deutsche, dort Juden, weghaben. Ich habe gedacht, vielleicht schaffst du es, daß die Menschen anders über einander denken, anders miteinander umgehen. Aber, nein, ich habe fast nichts bewegt. Die Mehrheit hat nicht einmal kapiert, worum es mir ging. Wir sind fremd geblieben.“ Auf dem Weg zur neuen deutschen Normalität sind die letzten Nörgler nur noch unnötiger Ballast.

Im Zweifel antisemitisch

Jakob Augstein macht Israel, das meistens als Synonym für die Juden genommen wird, zum Sündenbock für alles. Er läßt den Judenstaat in Anspielung auf die Weisen von Zion nach der Weltherrschaft greifen, Bluttaten verüben, die Welt in den Abgrund reißen und weitere reichlich kuriose Taten vollbringen.“ Rainer Trampert

Jakob Augsteins publizistisches Stahlgewitter ist die Fortsetzung Martin Walsers langjährigen Wirkens mit beinahe denselben Mitteln. Was für Walser Auschwitz war, ist für Augstein Israel. Ein Menetekel. Ein deutsches Menetekel, das man schleunigst hinter sich lassen muß. Es gilt den langen Schatten des Holocaust los zu werden, der deutschen Zukunft willen. Bei Augsteins deutsch-nationalistischen Fantasien dreht es sich „nicht um die Geschichte Deutschlands. Sondern um die Gegenwart der Welt“. Für den nächsten Anlauf deutscher Großmachtsambitionen sieht der Herausgeber der Wochenzeitschrift ‚Der Freitag‘ den ersten Schritt in der vollständigen Emanzipation von den USA und Israel. Ein Kukuckskind sucht neue Eltern.

Die spezielle Verbindung Deutschlands mit den USA und vor allem Israel ist das Resultat des alliierten Sieges über den Nationalsozialismus. Nichts weniger als die vollständige Annullierung der letzten alliierten Auflagen und die Revision der deutschen Israelpolitik ist Augsteins Ziel. Deshalb polemisiert er gegen die deutsche Waffenhilfe für Israel, phantasiert von dem jüdischen Weltfriedenssaboteur und behauptet das „die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband“ führt. Mit Antisemitismus habe dies nicht zu tun, dies sei legitime Israelkritik, bezeugen seine zahlreichen Unterstützer. Dabei unterstellt Augstein pauschal, das allein Israel generell „an Frieden … kein Interesse“ hat. Wirft ihm vor es „brütet“ sich in Gaza „seine eigenen Gegner aus“ und setzt seit Jahrzehnten seine Interessen „ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ durch, ohne auch nur ein Wort über die ständige Bedrohung des Landes zu verlieren.

Augsteins Darstellung von Israel ist von antisemitischen Stereotypen geprägt, beinahe manisch versucht er Israel, und den USA, all die Schuld am Elend dieser Welt zu unterstellen. Unverblümt narzisstisch schwingt sich hier der deutsche Angeklagte, wieder einmal zum Richter über seine Ankläger auf. Nicht nur für ihn gilt das Motto: Wir müssen uns beim Thema Antisemitismus von niemandem belehren lassen, erstrecht nicht vom Simon-Wiesenthal-Zentrum.

Keine Bühne für Antisemiten!

Man muß sich von der Vorstellung lösen, daß Antisemitismus ein normales Vorurteilssystem ist. Der Judenhaß ist Teil des kulturellen Codes vieler Menschen und gehört seit Jahrhunderten ungebrochen zum kommunikativen Gedächtnis der abendländischen Gesellschaft. Dagegen helfen oft weder Bildung noch Intelligenz.“ Monika Schwarz-Friesel

Am Sonntag, den 16. März, will Jakob Augstein im Filmtheater Union in Berlin-Friedrichshagen sein neuestes Propagandawerk mit dem Titel „Sabotage“ vorstellen. Wir sind der Meinung, was einmal in Hannover geklappt hat, kann auch in Berlin funktionieren. Deshalb rufen wir alle zivilgesellschaftlichen, antifaschistischen und antideutschen Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen auf, mit allen Mitteln, auf allen Ebenen den Auftritt des Top-Ten-Antisemiten Jakob Augstein zu verhindern.

Antideutsche Aktion Berlin im März 2014



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